Vom Applaudierer zum Orangenpflücker

Jüngerschaft
Vom Applaudierer zum Orangenpflücker

Wie Jüngerschaftskreise nicht nur biblische Geschichten zum Leben erwecken

Jüngerschaftskreise – in letzter Zeit hört man dieses Wort immer häufiger in unseren Gemeinden. Doch was steckt eigentlich dahinter? Ist das nicht das Gleiche wie ein Bibelkreis? Was ist der Unterschied? Warum scheint dieses Thema von so großer Wichtigkeit zu sein? Und was begeistert die Teilnehmer eines solchen Kreises? Mit diesen Fragen im Gepäck machten sich am 15. Februar über sechzig Geschwister aus ganz Deutschland auf den Weg nach Freudenstadt, um mit dem Thema „Jüngerschaftskreise“ ein ganzes Wochenende lang auf Tuchfühlung zu gehen.
 
Gleich zu Beginn weckte Thomas Knirr unser Interesse durch eine wirklich amüsante, aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte über Orangenpflücker. Diese glaubten, dass es ihre Aufgabe sei, dem professionell ausgebildeten Orangenpflücker zu applaudieren, anstatt mit anzupacken. Wir Adventisten kennen den Missionsbefehl aus Matthäus 28 fast alle auswendig, aber den Teil „machet zu Jüngern“ überlesen wir manchmal gerne – oder haben Schwierigkeiten, ihn auf uns persönlich zu beziehen. Als wir an jenem Abend Jesus über die Schulter schauten, wie er Fischer und Zöllner zu Jüngern machte, wurde etwas deutlich: Jesus gewann diese Menschen, indem er sein Leben mit ihnen teilte, als Vorbild voranging und sie Gottes Willen lehrte. Die Jünger taten es ihm gleich, nachdem Jesus wieder im Himmel war, wodurch sich ihre Zahl sehr schnell multiplizierte. Jesu Art nachahmend erreichten seine Nachfolger in einer Generation das ganze Römische Reich! Und genau diese Elemente verbindet ein Jüngerschaftskreis mit dem Ziel, uns zu einem ganz selbstverständlichen missionarischen Lebensstil zu verhelfen. Denn eigentlich ist das Jüngerdasein ganz einfach (s. 2. Timotheus 2,2): „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Die Macht der Gewohnheit überwinden

Recht schnell wurde uns bewusst, dass an diesem Wochenende so manches nicht wie gewohnt ablaufen würde. Schon die Sabbatschule gestaltete sich anders, als wir es aus den meisten unserer Gemeinden kennen: Zu Beginn tauschten wir uns über Anliegen aus und beteten gezielt füreinander. Danach blieb für das Studium der Offenbarung trotzdem noch genügend Zeit. Die Predigt wurde für uns zum Höhepunkt, denn wir hörten eine Stunde lang verschiedenste Erfahrungen von Teilnehmern. Einige Geschwister konnten auch schon von aktiven Jüngerschaftskreisen erzählen, die sich bereits multipliziert hatten, und wie sie sich dadurch gesegnet fühlten. Sehr schnell war damit klar: Das biblische Prinzip funktioniert! Und es tat so gut zu hören, wie Gott mächtig am Wirken ist.

Nachdem wir den Ansatz verstanden hatten und unser Kopf sich nach einem Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein etwas erholt hatte, erklärte uns Michael Dörnbrack am Sabbatnachmittag, was Jüngerschaftskreise im Großen und Ganzen ausmacht. Dazu zeigte er uns sieben Prinzipien der Jüngerschaft auf: 1. Jesus im Zentrum, 2. Wort Gottes, 3. Gebet, 4. Gemeinschaft, 5. Dienst, 6. Verkündigung und 7. Ausbildung. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Art des Bibelstudiums – auf Englisch „discovery bible study“ (Entdeckendes Bibelstudium) genannt. Diese Art, die Bibel zu studieren, ist sehr einfach, für jeden praktizierbar und unglaublich effektiv – und vor allem macht sie das Wort Gottes lebendig! Dabei bereitet jeder Teilnehmer den Bibelabschnitt in der Woche vor dem Treffen vor, und in der Gruppe tauscht man sich dann aus, was einem wichtig geworden ist.

Eine gemeinsame Entdeckungsreise

Jüngerschaftskreise, an denen in erster Linie nur Gemeindeglieder teilnehmen, stellen letztendlich so etwas wie eine Zurüstung dar, um für Jesus aktiv zu werden, und wecken den Wunsch, andere missionarisch ausgerichtete Kleingruppen wie Care Groups (Hauskreise), Bibelstunden, Dienstgruppen, Gebetskreise und Sabbatschulgruppen zu gründen. Die geistliche Gesundheit einer Gemeinde zeigt sich schließlich nicht an der Anzahl der Gemeindeglieder, sondern an der Aktivität jedes Einzelnen.

An diese Stelle könnte jemand entgegensetzen, dass es doch in vielen Gemeinden funktionierende Bibelkreise gibt. Das ist toll! Wenn man allerdings die wachsende Bevölkerung betrachtet, dann ist die entscheidende Frage, ob diese Bibelkreise auch wachsen bzw. sich vermehren. Darauf kommt es an, wenn wir uns wünschen, alle Menschen dieser Welt zu erreichen ... Hierbei liegt oft der Knackpunkt, weshalb ein Umdenken Sinn macht: Fähige Leiter mit viel Bibelwissen lassen eine Multiplikation nicht so leicht zu, aber eine Gruppe, die sich zum gemeinsamen Entdecken von biblischen Geschichten trifft, um von Jesus und seinem Umgang mit Menschen zu lernen, kann sich sehr einfach teilen. Dabei ist es der Heilige Geist, der jedem Teilnehmer zeigt, wie die Geschichte auf das eigene Leben anwendbar ist.
 
Das sollten wir noch am selben Abend selbst erfahren. Wir bekamen eine halbe Stunde Zeit, einen Bibelabschnitt abzuschreiben und zu studieren mit dem Fokus auf folgende Fragen: Was lernen wir über Gott, die Menschen und unsere Beziehung zu Gott? Was bedeutet das praktisch für mein Leben und was davon will ich weitergeben? Nach dieser Zeit, in der die Bibel selbst zu uns gesprochen hatte, teilten wir uns (voller Vorfreude, was passieren würde) in zehn Kreise auf, um uns auszutauschen. Tatsächlich erlebten wir in den Gruppen eine enge Gemeinschaft, in der wir Dank und Fürbitte teilten. „So gewinnbringend habe ich die Bibel noch nie studiert. Da wächst man in der Gruppe wirklich zusammen“, merkte am Ende ein Teilnehmer an. Und ein anderer bestätigte: „Es ist toll, dass es nur jemanden braucht, der die Zeit im Blick hat, ansonsten läuft das Treffen fast ganz von alleine.“

Neben dem Bibelstudium gab es auch einen Teil, bei dem wir uns in der Gruppe darüber austauschten, was jeder bis zum nächsten Treffen umsetzen möchte. Dazu bekamen wir ein Heft mit verschiedenen Ideen, die zeigten, wie natürlich und einfach ein missionarischer Lebensstil aussehen kann. Es kann beinhalten, dass man eine Karte an jemanden schreibt, von dem man lange nichts gehört hat. Oder man erzählt jemandem seine eigene Geschichte mit Gott. Oder man betet für jemanden, den Gott uns ans Herz legt.

Mir persönlich hat dieses Wochenende geholfen zu erkennen, dass Mission kreativer sein kann als man denkt. Es beginnt mit gezieltem Gebet, Nächstenliebe und Sorge um andere. Im Rückblick kann ich sagen, dass wir alle hochmotiviert in unsere Gemeinden zurückkehrten und fest entschlossen sind, zu „echten Orangenpflückern“ zu werden.

Vom 18. bis 23. Juni 2019 findet im Freizeitheim Diepoldsburg eine ganze Woche lang das Seminar „Basistraining Jüngerschaftskreise“ statt. Weitere Informationen zur Anmeldung gibt es unter: www.bw.adventisten.de/events

Zusätzliches Material zum Thema „Jüngerschaftskreise“ finden Interessierte hier:
www.jüngerschaftskurs.de/training.html

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