Zukunftsmusik: Mit Herz und Verstand anbeten

Gemeinde
Zukunftsmusik: Mit Herz und Verstand anbeten

Die neuen Musikbeauftragten stellen sich vor

Mehr Raum für eigene Kreativität

Da saß ich – mit Tränen in den Augen – im nahezu leeren Zuschauerraum des nahe der Moldau gelegenen Rudolfinum in Prag. Nie hatte ich gedacht, dass es einmal dazu kommen würde ... Egal, welches Instrument man mir über die Jahre in die Hände gab: Ich versuchte in meinem inneren Ohr stets mehr als nur mein Instrument zu hören. Ich stellte mir vor, wie es klingen würde, wenn die Musik, die ich für mich allein spielte, von einem Orchester begleitet würde. Und jetzt spielten die Prager Philharmoniker den Soundtrack zum Schöpfungsfilm, den ich mit meinen begrenzten Möglichkeiten auf einem Keyboard geschrieben hatte.

Meine Klavierlehrerin hatte mir immer musikalisches Talent bescheinigt und mich zur Teilnahme am Wettbewerb „Jugend musiziert“ ermutigt, was ich aber wegen des Sabbats immer absagen musste. Darüber war sie nicht glücklich. Zudem verlor ich mich in meinen eigenen Improvisationen und Kompositionen, statt mich mehr in Chopins „Fantasie Impromptu“ hineinzuhängen. Ohne mir dessen bewusst zu sein, suchte ich nach Wegen, mich nicht in vorgegebenen Fußstapfen anderer Komponisten zu bewegen, sondern selbst kreativ zu werden und meine eigene Musik zu schreiben. Im Internat in Bogenhofen gab man mir die Möglichkeit, mich auszuprobieren. Während dieser Zeit betete ich mehr darum, dass Gott mir zeigen möge, wie ich ihm als Musiker dienen kann. Verschiedene musikalische Projekte an der Schule, die Gestaltung der Musik beim Youth in Mission Congress, die Komposition des Soundtracks zum Film „Die Schöpfung“ und meine Beteiligung bei der Musikgruppe tag7 – in all dem sah ich seine Antworten. Sie weckten in mir das Bewusstsein, dass unsere Freikirche dringend mehr Musiker braucht, die sich nicht nur mit ihrem Talent, sondern auch mit ihrer eigenen Kreativität für Gott einsetzen!

In meinen Gesprächen mit Musikern, die eigene Lieder geschrieben hatten, stellte ich fest, dass es in unserer Freikirche zwar viele gute Musiker gibt, doch diese meist keine eigenen Stücke schreiben. Stattdessen besorgen sie sich ihr Liedgut entweder von anderen Denominationen oder legen den Schwerpunkt auf die Musik der vergangenen Jahrhunderte. Obwohl ich beide Prägungen auch in meinem Leben sehe und grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden habe, empfinde ich diesen Umstand bis heute als suboptimal. Auch wenn es manche Diskussion mit jenen Personen einforderte, die mich musikalisch geprägt hatten, war es für mein kreatives Schaffen doch unabdingbar gewesen, eigene Kreativität auszuleben und nicht nur in den großen Fußstapfen anderer gegenwärtiger oder vergangener Komponisten zu wandeln. Als Adventisten müssen wir in meinen Augen wieder lernen, Musik nicht nur als leidiges, frustrierendes Thema wahrzunehmen, über das wir fast nur noch streiten. Musik ist etwas unglaublich Schönes! Neben aller Gefahr, die mit ihr einhergeht und die wir nicht übersehen dürfen, sind sich viele kreativ schaffende Musiker, mit denen ich sprach, einig, dass genau dieser Punkt zu selten betont wird.

Mein persönlicher Wunsch ist es, dass Jugendliche aus unserer Vereinigung die Gemeinde als einen Ort erleben, in dem es ihnen gestattet ist, ihre Kreativität auszuleben und wieder selbst Musik zu schreiben – und dabei auch Fehler machen zu dürfen! Mir ist bewusst, dass dies Spannungen mit sich bringt ... doch wird es für einen kreativen und jungen Musiker wichtig sein, dass unsere Gemeinde diese in einem offenen und ehrlichen Austausch beilegt, bei dem vor allem gute Argumente und Sachlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Nur dann wird er sich auch gerne weiter einbringen! Neben jener Literatur, die sich in vergangenen Zeiten bewährt hat und bis heute gerne aufgegriffen wird, müssen wir uns auch Gedanken über eine vertretbare Form der modernen christlichen Musik machen. Wir sollten also sinnvolle Kriterien auswählen, wie wir Gott mit Herz und Verstand anbeten – ohne dabei die Gefahren zu übersehen. Es ist mein Wunsch, dass wir in unserer Gemeinde besser ausgebildete Musiker, kreative Ideen und auch eigene, erschwingliche Musikproduktionen in digitaler Form fördern, um auch in Zukunft in diesem Bereich gut oder noch besser aufgestellt zu sein.

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