Von Angesicht zu Angesicht

Interview
Von Angesicht zu Angesicht

Interview mit dem neuen BWV-Präsidenten

Lieber Eugen, nach deinem Theologie-Studium hast du zunächst als Pastor in verschiedenen Gemeinden in Baden-Württemberg gearbeitet. Seit 2014 warst du Sekretär (Geschäftsführer) der Baden-Württembergischen Vereinigung (BWV), ab Mai 2017 zusätzlich Vizepräsident, und am 9. Dezember 2018 haben dich nun die Abgeordneten bei der Landesversammlung in Heilbronn zum neuen Präsidenten gewählt. Was hat sich seitdem verändert?

Als Pastor zu arbeiten und damit dem Ruf Gottes zu folgen, ist für mich ein großes Vorrecht. Durch die Wahl bekommt man einen neuen Wirkungsbereich. Der bringt natürlich eine andere Verantwortung mit sich und macht mir die Abhängigkeit von Gott noch mehr bewusst. Gleichzeitig wird der Terminkalender voller – da muss man auf eine gesunde Balance zwischen Dienst und Familienleben noch bewusster achten.

Eine beliebte Rubrik in BWgung ist „So kam ich zur Gemeinde“. Wie sah dein Weg in die Adventgemeinde aus?

Da meine Eltern Siebenten-Tags-Adventisten sind, lernte ich die Gemeinde von klein auf kennen. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in der Adventgemeinde Lahr. An der Existenz Gottes hatte ich als Jugendlicher eigentlich nie Zweifel. Die Herausforderung in meinem Leben lag eher in einem falschen Erlösungsverständnis ... Ich war der Meinung, dass ich durch mein Bibelwissen automatisch gerettet bin! So wiegte ich mich in Sicherheit und führte gleichzeitig ein laxes Leben. Ich war der Meinung, Gottes Gesetz übertreten zu können, wenn ich es für richtig hielt. Um mich von diesem Gedanken abzubringen, musste Gott mich ganz schön wachrütteln! Ein Klassenkamerad hat mir dann in der 13. Klasse vor meinen Freunden den Spiegel vorgehalten: Wir standen in der Raucherecke und unterhielten uns über Partys und Hip-Hop. Obwohl er überzeugter Atheist war, hielt er mir die Predigt meines Lebens (schmunzelt). Er sagte: „Eugen, du sagst, du bist Christ, aber schau dich doch mal an – du unterscheidest dich doch überhaupt nicht von uns!“ Und dann fing er an, die Bibel zu zitieren, wie Christen leben sollten ... Während dieser Situation war ich einfach nur sprachlos. Es brachte mich zum Nachdenken und mir wurde bewusst, was für ein Heuchler ich war ... Später kam noch eine Art Lebenskrise dazu und ich merkte, dass ich ohne Jesus Christus absolut verloren bin! Ich sehnte mich nach Vergebung und lernte kurz vor dem Abitur Jesus als meinen persönlichen Retter kennen. Seitdem glaube ich nicht an die Rechtfertigung aus Wissen, sondern an die Rechtfertigung aus Glauben (lächelt). Die Adventgemeinde wurde durch diese Erfahrung für mich zu einer noch schöneren geistlichen Heimat.

Du und deine Frau Margarita wirkt wie ein eingespieltes Team. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Vor meiner Bekehrung wollte ich eigentlich irgendetwas studieren, was mit Wirtschaft zu tun hat. Aber Gott weckte in mir die Sehnsucht, Pastor zu werden. Als junger Theologiestudent fuhr ich also im September 2006 mit Markus Jenkner und Johannes Waniek (heute beide Pastoren in der BWV) zur Bodenseekonferenz. Wir wollten damals in Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung zum ersten Mal für den Youth in Mission Congress werben. Wir waren zu der Zeit im YIM-Arbeitskreis und wollten andere Jugendliche begeistern, an diesem Kongress in Mannheim teilzunehmen. Gleich am Anfang traf ich Margarita, die ich von einer Auslandsevangelisation noch kannte. Wir unterhielten uns über die Missionseinsätze in Benin und Kenia und ich merkte, dass diese junge Frau bei mir einen sehr netten Eindruck hinterließ (schmunzelt). Ich entschied mich, den Sitzplatz bei meinen Freunden zu wechseln, nahm all meinen Mut zusammen und setzte mich in Margaritas Nähe ... Das war der Anfang einer wunderschönen Kennenlernphase. Im Sommer 2008 machte ich ihr am Bodensee einen Heiratsantrag. Ein Jahr später, am 26. Juli 2009, heirateten wir in der Adventgemeinde Bregenz. Ich fühle mich mit meiner Frau wirklich gesegnet – sie hat mich von Anfang an in meinem Dienst unterstützt. Als Realschullehrerin ist es ihr außerdem ein Anliegen, das adventistische Schulwerk in Baden-Württemberg zu fördern. Doch im Moment kümmert sie sich um unseren Sohn Lias Andreas, den uns der liebe Gott im August 2017 geschenkt hat. Unser Leben ist seit diesem Tag noch schöner geworden (strahlt glücklich).

Durch dein Amt prägst du unsere Freikirche in Baden-Württemberg. Welche Schwerpunkte möchtest du in Zukunft setzen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Menschen sich nach einem besseren und glücklicheren Leben sehnen. Sie auf die baldige Wiederkunft Jesu hinzuweisen, ist mir ein großes Anliegen. Ein wichtiger Schwerpunkt hat daher etwas mit unserem Auftrag zu tun. Gott hat uns als weltweite Gemeinde eine besondere Erfahrung geschenkt, uns eine prophetische Identität und Botschaft vermittelt (wie wir in Offenbarung 14,6-12 lesen). Momentan erleben wir große Veränderungen auf politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene. Keiner von uns weiß, wie lange wir noch als Gemeinde die Freiheit haben, Menschen von Jesus Christus als unserem Schöpfer, Erlöser und wiederkommenden Herrn zu erzählen. Umso wichtiger ist es, alle Geschwister zu ermutigen, das persönliche Glaubensleben zu stärken und das Engagement in der lokalen Gemeinde zu fördern. Außerdem hat Gott uns eine wertvolle Erziehungs- und Gesundheitsbotschaft geschenkt. Die Stärkung der Familie sowie die Gründung von weiteren Schulen und Einflusszentren liegt mir deshalb sehr am Herzen. Bei all dem könnten wir durch den Einsatz von modernen Medien viel mehr Menschen erreichen als bisher. Hier haben wir, denke ich, noch Wachstumsbereiche. Auch das soziale Engagement aus Nächstenliebe und die Auslandsmission sind für mich ein wichtiger Schwerpunkt. Da Deutschland ein Einwanderungsland ist, haben wir auch Verantwortung für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Verbreitung von Bibeln sowie ausgewählter Bücher von Ellen White in ihrer Sprache wird uns in den nächsten Jahren begleiten. Wie schön wäre es, wenn diese Menschen in unseren Gemeinden ein Zuhause finden. 

Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Ich habe schon lange in meinem Herzen die Sehnsucht, Gott endlich „von Angesicht zu Angesicht“ zu sehen – wie es in Offenbarung 22,4 heißt. Das ist und bleibt mein größter Wunsch. Deshalb lese ich immer wieder gerne die Beschreibungen über das Ewige Leben in der Bibel und in den Schriften von Ellen White. Und ich glaube fest daran, dass die Verheißung aus dem letzten Buch der Bibel sich schon bald erfüllt.

Interview mit Eugen Hartwich vom 21.01.2019, niedergeschrieben und gekürzt von Magdalena Lachmann.

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