Hin zur heilsamen Gemeinde

Gesundheit
Hin zur heilsamen Gemeinde

DVG positioniert sich neu

Im Jahr 2016 führte Gott mich zum Deutschen Verein für Gesundheitspflege (DVG). Er nutzte eines der schrecklichsten Erlebnisse aus meiner Kindheit, um mich auf diese Arbeit vorzubereiten. Als mein Vater 2002 von den Guerillas für dreieinhalb Monate entführt wurde, musste ich mein Zuhause in Kolumbien verlassen. Von einem Tag auf den anderen veränderte sich mein Leben komplett. Auf einmal war unsere Familie zerstört. Da es nicht mehr sicher war, in unserem Haus zu wohnen, musste meine Mutter uns vier Geschwister trennen und wegschicken. Wir waren überall verteilt.

Doch trotz dieser schlimmen Zeit der Ungewissheit, öffnete sich eine neue Tür für mich. Ich zog für drei Jahre in die Vereinigten Staaten. Dort ließ ich mich zur Gesundheitsberaterin ausbilden. Im Jahr 2006 ging ich nach Kolumbien zurück und entwickelte dort in einem Gesundheitszentrum, basierend auf „Newstart“, ein Programm für die Gesundheitsberatung. Sieben Jahre lang war ich dort tätig, hatte in den letzten vier Jahren die Leitung des Gesundheitszentrums und absolvierte parallel den Bachelor in „Ganzheitlicher Ernährungswissenschaft“. Heute, 15 Jahre später, kann ich im Rückblick nur staunen, wie groß Gottes Liebe ist, dass er mich diesen Weg geführt hat.

Veränderung braucht Zeit

2014 kam ich schließlich mit meinem Mann und meinen zwei Kindern nach Deutschland, um ein zweites Masterstudium in Stuttgart zu absolvieren. So wurde ich kurze Zeit später auf das Stellenangebot des DVG aufmerksam und übernahm die Leitung der Zentralstelle des Vereins. Die Idee von einer „heilsamen Gemeinde“ liegt mir sehr am Herzen und ich möchte sie gerne innerhalb der Freikirche fördern. Das ist nicht nur mein persönliches Vorhaben, sondern ein gemeinsames Ziel der Freikirche, das wir mit den Präsidenten aller Vereinigungen in Deutschland erarbeitet haben. Gemeinde sollte ein Ort sein, in der eine heilsame Atmosphäre herrscht und in der wir uns körperlich, seelisch, sozial und spirituell geborgen fühlen.

Unsere Gesundheitsbotschaft ist ein Geschenk Gottes und ich möchte es in Liebe und in Freiheit fördern. „Es hilft wenig, andere ändern zu wollen, indem man ihre schlechten Gewohnheiten angreift. Solche Versuche richten oft mehr Schaden an, als dass sie helfen.“1 Bei jedem Einzelnen findet im Laufe des Lebens ein Veränderungsprozess statt. Dieser kann sich in verschiedenen Phasen bemerkbar machen, die sich auch wiederholen können. Was jedoch die meisten von uns brauchen, ist Zeit, um zu erkennen, war wir in unserem Leben ändern sollten. Wie dankbar können wir sein, dass Gott auch in diesem Bereich so viel Geduld mit uns hat.

Erfahrungen aus den Gemeinden

Immer wieder erlebe ich, dass jede Gemeinde einzigartig ist. Die Gaben der Geschwister sind so unterschiedlich, dass die missionarischen Möglichkeiten im Bereich Gesundheit vielfältiger nicht sein könnten. Was für eine Gemeinde perfekt ist, kann eine andere nicht umsetzen. Wichtig ist, dass jede Gemeinde für sich entdeckt, was ihre Stärken sind. Es gibt eine große Bandbreite an Angeboten, die Geschwister ins Leben rufen können: Lauftreffs, Kochkurse, Vorträge. Die Gemeinde kann auch eine DVG-Regionalgruppe oder einen Gesundheits-Club gründen – letzteres ist eine Anlauf- und Kommunikationsstelle für Lebenshilfe, Lebensstilfragen, Beratung, Selbsthilfe und Gesundheitsförderung. Bei allen Überlegungen ist die Nachhaltigkeit der Angebote am wichtigsten. Es hilft nicht, wenn wir uns schlecht fühlen, weil wir keine Angebote zum Thema Gesundheit haben und dann eine einmalige Veranstaltung organisieren. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass es gut ist, wenn die Angebote regelmäßig stattfinden, also mindestens einmal im Monat. 

So leitet zum Beispiel Angelika Schütt schon seit 25 Jahren ein vegetarisches Vollwertkost-Restaurant in ihrer Gemeinde in Leipzig. Einmal monatlich organisiert die Gemeinde einen Abend, an dem die Gäste wie im Restaurant bedient werden und aus einer Speisekarte auswählen können. Der Unterschied zum Lokal: Sie fangen alle gemeinsam mit dem Essen an, nachdem der Pastor eine kurze Andacht gehalten hat. Es kommen jeden Monat regelmäßig etwa vierzig Personen. Zusätzlich gibt es seit 2002 einmal jährlich, im Februar, einen groß angelegten „DVG-Tag“, bei dem verschiedene Sprecher über gesundheitliche Themen referieren und die ca. 120 bis 200 Gäste im Anschluss mit einem vegetarischen Vollwertkost-Buffet verwöhnt werden.

Als ich Angelika fragte, wie sie auf diese Idee gekommen sei, erzählte sie: „Nach der Wende gab es auf einmal ganz viele Lebensmittel, die wir nicht kannten, wie beispielsweise Auberginen, Mangos oder Hirse. Wir fingen an, vegetarisch zu kochen und merkten, dass man mit Zutaten wie diesen sehr leckeres Essen zubereiten kann. Wir dachten uns: Wenn wir so gutes Essen kochen können, warum laden wir nicht andere dazu ein? Anfangs kamen lediglich Gäste aus unserem Freundeskreis. Doch mit der Zeit änderte sich das. Die Anzahl an Besuchern war immer unterschiedlich – und es gab auch Zeiten, in denen wir ganz allein dasaßen. Doch auch heute kommen immer noch Menschen, die wir zum allerersten Mal bei uns sehen.“ Gastgeber zu sein und zu gesundem Essen zu motivieren – das ist es, was Angelika an diesem Projekt so toll findet. Sie genießt die Gemeinschaft und freut sich, dass die Leute nebenbei etwas von Gott hören. Es ist für sie eine besondere Gelegenheit, bei der Gäste uns Adventisten kennenlernen können. Durch die Kontakte, die während des Essens geknüpft wurden, sind schon viele Freundschaften entstanden.

Walking-Treffs in Ostfildern

Auch die Erfahrungen in Ostfildern zeigen, wie durch einfache Aktionen langjährige Freundschaften entstehen können. So berichtete mir Dieter Achatz vor kurzem: „1992 beendete ich meine Praxistätigkeit als Kinderarzt. Als nur kurze Zeit später bei einer internationalen Gartenbauausstellung am Killesberg Walking als Sportart vorgestellt wurde, dachten meine Frau Ilse und ich: Das machen wir auch! Also trafen wir uns mit einigen Freunden immer montags an der Gemeinde Ostfildern zum Walking. Anfangs waren wir zu fünft. Später bewarben wir unsere Treffen im Wochenblatt und die Gruppe wuchs zwischenzeitlich auf bis zu fünfzig Walker an, darunter Protestanten, Katholiken und auch Kirchenferne.

Seit zehn Jahren bieten wir jede Woche nach dem Walking zusätzlich Gymnastikübungen an und haben meist bis zu 18 Teilnehmer. Darüber hinaus finden ein bis zwei Mal im Jahr Gesundheitsvorträge statt, die sehr gut besucht sind. Durch die ärztliche Tätigkeit eines Bruders bis 1997 wurden wir in Ostfildern nicht als Sekte wahrgenommen – dies hilft uns auch heute noch. In erster Linie sind wir dankbar, dass unsere Gäste die Möglichkeit haben, unsere Gemeinde unbefangen kennenzulernen.“

Aktuelle Angebote des DVG

Damit der DVG nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch den Veränderungsprozess im Leben von Menschen unterstützen und begleiten kann, arbeiten wir daran, unsere Angebote an unsere heutige Gesellschaft anzupassen. Dazu gehört auch das Erscheinungsbild. Deshalb haben wir dieses Jahr ein neues Design erarbeitet, in dem sich u.a. unsere neue Webseite www.dvg-online.de präsentieren wird. Die Gesundheitsbotschaft ändert sich zwar nicht, aber sie kann neu verpackt werden, damit sie für Menschen des 21. Jahrhunderts ansprechender ist. Deshalb wollen wir auch zahlreiche neue wissenschaftliche Studien in unseren Inhalten berücksichtigen.

Außerdem wird derzeit unsere Gesundheitsberater-Ausbildung überarbeitet, sodass ein Großteil als E-Learning angeboten werden soll. Wir wollen Geschwistern Werkzeuge an die Hand geben, damit sie sich in ihrer örtlichen Gemeinde einbringen. Detaillierte Informationen zu Inhalt und Ausbildungsterminen können Anfang 2018 auf unserer Webseite abgerufen werden. Was bereits zur Verfügung steht, sind Materialien für Veranstaltungen (z.B. Health Expo oder Kindergesundheitswoche) sowie für Seminare über Depression, Vergebung, Stressbewältigung oder Gewichtsmanagement.

Bei all unseren Planungen wollen wir ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Gemeinden haben und die Anregungen von Geschwistern berücksichtigen. Lasst uns gemeinsam anstreben, eine „heilsame Gemeinde“ zu werden, in der nicht nur wir selbst Heilung finden, sondern auch unsere Freunde und Gäste.

Die gesamte Lebensgeschichte von Sara Salazar-Winter ist in der Mediathek des Hope Channel zu finden: „Laut gedacht: Ein Gott der Gnade“.

Quellen:

1 E.G. White. Auf den Spuren des großen Arztes S. 118

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