Zukunftsmusik: Mit Herz und Verstand anbeten

Gemeinde
Zukunftsmusik: Mit Herz und Verstand anbeten

Die neuen Musikbeauftragten stellen sich vor

Ein Netzwerk für musikalischen Austausch

Das mag für viele vielleicht überraschend klingen – aber dass ich einmal Musiker werden würde, war bis zu meinem neunten Lebensjahr nicht vorherzusehen. Weder hatten wir ein Musikinstrument zu Hause, noch wurde ich seitens meiner Eltern diesbezüglich gefördert. Dass ich Musiker wurde, hängt tatsächlich mit einer Reihe von gottgeführten „Zufällen“ zusammen. Alles fing mit Eifersucht auf meine jüngere Cousine an ... Wenn es nämlich eine Familienfeier gab, wurde sie von allen für ihre musikalischen Fähigkeiten am Klavier bewundert. Ich wollte auch spielen, aber wir hatten kein Instrument zu Hause – und das Geld reichte nicht aus, um eins zu kaufen. Aber mein Wunsch war größer als die Hindernisse! Nachdem ich mehrmals darum gebeten hatte, bekam ich Klavierunterricht. Zum Üben musste ich allerdings entweder an das sehr alte Klavier meiner Oma oder in den Übungsraum der Musikschule. Doch das tat meiner Begeisterung keinen Abbruch.

Inzwischen waren nicht mehr die Familienfeiern meine Motivation, sondern dass ich wöchentlich in den drei örtlichen Gemeinden aushelfen konnte. Meistens ergab sich das spontan, wenn Sänger eine Begleitung brauchten und keine Noten hatten oder das Stück in einer anderen Tonlage vortragen wollten. So wurde ich mit zwölf Jahren Pianist des Gemeindechors. Auch dass ich zusammen mit vierzig anderen im Kinderchor singen durfte, lehrte mich nicht nur Teamarbeit, sondern öffnete mir die Tür, verschiedene Regionen von meinem Heimatland Argentinien kennenzulernen. Später lernte ich Klarinette zu spielen und wurde bald Teil der Symphonischen Band. So wurde die Musikschule mein Zuhause.

Nach dem Abitur verließ ich mein adventistisches 5.000-Seelen-Dorf und zog in die Millionenstadt Buenos Aires, um das Musikstudium für Lehramt mit einer künstlerischen Ausbildung als Konzertpianist zu ergänzen. Gleichzeitig unterrichtete ich an drei Schulen Musik, um mein Studium zu finanzieren. Und dann endlich, mit zwanzig Jahren, konnte ich an meinem eigenen Klavier üben!

Als ich in Argentinien alle Möglichkeiten für meine Ausbildung ausgeschöpft hatte, zog es mich weiter weg ins Ausland, und zwar an die Musikhochschulen Essen und später Würzburg. Nach meinem Studienabschluss mit dem Konzertexamen, Hauptfach Klavier, konnte ich das Erlernte dann fast drei Jahre lang an der adventistischen Universität in Argentinien als Klavierdozent und Klavierabteilungsleiter weitergeben. 2008 führte Gott uns wieder zurück nach Deutschland, da meine Frau Heidi eine Stelle an der Universität Regensburg in ihrem Fachgebiet der Humangenetik angenommen hatte. Seitdem war ich als freiberuflicher Klavierlehrer in Regensburg und am Seminar Schloss Bogenhofen sowie als Korrepetitory1 an der Musikhochschule Würzburg tätig.

Aus persönlicher Erfahrung und Beobachtung verschiedener Gemeinden in etlichen Ländern bin ich überzeugt, dass Musik nicht nur bei der Anbetung eine große Rolle spielt. Sie gibt uns auch wichtige Impulse zur persönlichen Entwicklung und fördert die Kreativität. Deshalb ist es mein Wunsch, zusammen mit dem Arbeitskreis Musik und allen, die aktiv mitmachen wollen, das Musik-Leben in unseren Gemeinden zu unterstützen. Da ich selbst erlebt habe, dass einem wegen des Sabbathaltens oft Möglichkeiten zur Weiterentwicklung oder Arbeitsstellen verwehrt bleiben, will ich Möglichkeiten schaffen, damit Musiker sich unterstützt fühlen! Dafür soll das Netzwerk gestärkt werden, damit der Austausch leichter stattfinden kann und möglichst alle Nachwuchs-Musiker einen Mentor finden können.

Mein Ziel ist es, das geistliche Leben der Gemeinden zu stärken, indem ich als Multiplikator die musikalische Qualität und Möglichkeiten der gemeindeinternen Musiker fördere. Darüber hinaus wäre es schön, mehr in der Öffentlichkeit zu musizieren und damit auf kreative Weise andere mit unserer Freude anzustecken.

Anmerkungen:

1 Ein Korrepetitor arbeitet zusammen mit Musikern und übt zum Beispiel Kammermusikwerke oder auch Konzerte ein, bei denen ein Instrument den Solopart im Orchesterkonzert spielt. Dabei ersetzt die Klavierbegleitung des Korrepetitors andere Instrumente bzw. das ganze Orchester. Darüber hinaus gibt der Korrepetitor in Einzelproben korrigierende musikalische Hinweise.

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