Ohne Kompass und Karte

Volk Israel
Ohne Kompass und Karte

Gottes Volk auf Wüstenwanderung

Ohne Kompass und Karte waren sie unterwegs in der weglosen Wüste. Ihr Marsch ging keineswegs immer geradeaus in eine Richtung, einem bestimmten Ziel entgegen. Dazu war das Gelände viel zu unwegsam, zu uneben. Über weite Strecken bestimmten felsige Bergrücken und tief eingeschnittene Trockentäler, sogenannte Wadis, das Landschaftsbild. Manchmal bestand der Boden aus staubfeinem Sand, dann wieder aus grobem Schotter, Geröll oder nacktem Fels. Leicht war es gewiss nicht, sich auf diesem Terrain fortzubewegen.

Vierzig Jahre lang wanderte das Volk Israel, nachdem es Ägypten verlassen und das Rote Meer durchquert hatte, auf diese Weise durch die Wüste. Hin und her – ohne Kompass und Karte, ohne Pfadfinder oder Navi. Doch sie wussten sich geführt von einem, der stets die Übersicht behielt: „Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht“ (2. Mose 13,21-22). Solch einer Führung konnten sie fraglos vertrauen.

In der Gegenwart Gottes

Es muss schon ein imposanter Anblick gewesen sein, dieses Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk. Niemand brauchte jemals Angst zu haben, sich zu verirren. Selbst wenn jemand es gewagt hatte, sich so weit vom Lager zu entfernen, dass er keine Zelte mehr sehen konnte. Ein Blick nach oben genügte, und er wusste genau, wo sein Zuhause war: Dort, wo diese blendend weiße Wolke oder das lodernde Feuer bei Nacht senkrecht nach oben in den Himmel stieg, dort war das Heiligtum, dort wohnte das Volk. Wie die Kondensstreifen moderner Verkehrsflugzeuge war dieser Wegweiser Gottes sicherlich auch noch über viele Kilometer Entfernung zu sehen. Der Wanderer in der Wüste brauchte nur auf diese Wolke zuzugehen, dann fand er ganz sicher wieder den Weg nach Hause.

Manchmal lagerte das Volk tage- oder monatelang am selben Platz, dann waren sie wieder viele Wochen unterwegs. Ob Ruhepause oder Weitermarsch angesagt war, auch das bestimmte nicht Mose, sondern allein der Herr. „Sooft sich aber die Wolke von dem Zelt erhob, brachen die Israeliten auf; und wo die Wolke sich niederließ, da lagerten sich die Israeliten. Nach dem Wort des Herrn brachen sie auf, und nach seinem Wort lagerten sie sich“ (4. Mose 9,17-18). Ellen White ergänzt diese biblische Tatsache, indem sie schreibt: „Christus führte die Hebräer auf ihrem Wüstenzug (...) als der Engel, in dem der Name Jahwe war und der in der Wolkensäule verhüllt vor der Volksmenge herging“ (PP 345).

Stets war es das Heiligtum, das den Mittelpunkt des riesigen Areals von Nomadenzelten bildete, welches sich wahrscheinlich über viele Quadratkilometer ausbreitete. Mitten im Heiligtum aber stand die Stiftshütte, die Wohnung Gottes, und in der Mitte des Allerheiligsten, über der Bundeslade und dem Gnadenthron erhob sich die Wolkensäule hoch in den Himmel. Von jedem Zelt aus konnte jeder Israelit sie zu jeder Zeit sehen. Das Heiligtum mit dem darüber thronenden Zeichen göttlicher Gegenwart war also der zentrale Orientierungspunkt für jeden, der mit dem Volk Gottes unterwegs war. Denn nach diesem Heiligtum war das ganze Lager ausgerichtet.

Dieser alttestamentliche Campingplatz war ein Muster an planvoller Ordnung. Jeder Stamm kannte genau den Platz, an dem er seine Zelte aufschlagen sollte. Jeweils ein Hauptstamm lagerte in jeder der vier Himmelsrichtungen, vom Heiligtum aus gesehen, flankiert von zwei weiteren Stämmen: „Nach Osten soll sich lagern das Banner des Lagers Juda mit seinen Heerscharen (...) Neben ihm soll sich lagern der Stamm Issachar (...) Dazu der Stamm Sebulon“ (4. Mose 2,3.5.7). Südlich vom Heiligtum wohnte der Stamm Ruben, westwärts der Stamm Ephraim und gen Norden der Stamm Dan (s. 4. Mose 2,2-31). Auch das Aufschlagen der einzelnen Wohnzelte richtete sich somit nach dem Heiligtum bzw. der Wolkensäule als Bezugspunkt.

Wenn jedoch die Kinder Israels zu sehr in ihre irdischen Probleme und Sorgen verstrickt waren, konnte es geschehen, dass sie diese wichtige Gegebenheit vergaßen. „Immer wieder verloren sie die Tatsache aus den Augen, dass sie unter göttlicher Führung standen. Sie vergaßen, dass der Bundesengel, die Gegenwart Christi in der verhüllenden Wolkensäule, vor ihnen herging und Mose alle seine Anweisungen von ihm empfing“ (PP 376).

Die Wüsten dieser Welt

Wir, das Volk Gottes des Neuen Testaments, sind zwar nicht mehr auf der Sinaihalbinsel unterwegs. Aber auf unserem Weg aus der Sklaverei der Sünde ins himmlische Kanaan müssen auch wir die Wüsten dieser Welt durchqueren. Wie leicht könnten wir uns da im Labyrinth der Religionen und Weltanschauungen verlieren, wie leicht im Sand menschlicher Meinungen und Interpretationen stecken bleiben, wenn wir keinen verlässlichen Führer, keinen unveränderlichen Maßstab hätten.

Kompass, Karte und Navi helfen uns bei der Suche nach dem rechten Weg in der Nachfolge Jesu absolut nicht weiter, ja nicht einmal Fachwissen und menschlicher Scharfsinn. Auch brauchen wir unsere Blicke weder nach Mekka, noch nach Rom oder Brüssel zu richten. Unser Heiligtum ist dort, wo unser großer Hohepriester heute noch seinen Dienst verrichtet: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan und die Lade seines Bundes wurde in seinem Tempel sichtbar“ (Offb 11,19). Das ist der Orientierungs- und Bezugspunkt für den Glaubensweg unserer Freikirche. Solange wir ihn, der in der Wolkensäule gegenwärtig war, im Blick behalten, stimmt die Richtung – auch wenn der Weg manchmal sehr einsam und beschwerlich werden kann. Dort allerdings, wo wir uns nur nach der uns umgebenden Gesellschaft und nach anderen Kirchen orientieren, wo Zeitgeist und Wohlstandsdenken unsere Entscheidungen bestimmen, wo wir den Blick zum himmlischen Heiligtum und die sich daraus ergebenden Lehren als unwichtig, ja als überholt beiseiteschieben, haben wir uns bereits verirrt.

„Jedes Kapitel und jeder Vers der Bibel enthält eine Nachricht Gottes an den Menschen. Durch uns sollten diese Unterweisungen sichtbar sein wie ein Kennzeichen auf Hand und Stirn. Erforschte und befolgte Gottes Volk sie, dann würde es so sichtbar geführt werden, wie seinerzeit die Israeliten durch die Wolkensäule bei Tage und die Feuersäule bei Nacht geleitet wurden“ (PP 483).

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