Enthüllt

Ellen G. White
Enthüllt

Die Geschichte, die Satan verhindern wollte

Des Herrn Botschafterin zu sein, war keine leichte Sache. Man konnte zum Beispiel nicht am Morgen aufwachen und sagen: „Wenn du, Herr, mir heute eine Botschaft zu vermitteln gedenkst, wäre 14.00 Uhr eine gute Zeit! Am Morgen habe ich nämlich noch viel zu tun. Ich muss James in die Arbeit und die Buben in die Schule bringen. Dann muss ich noch einige Briefe schreiben. Und dann, ja natürlich, muss ich noch einigen Leuten einen Besuch abstatten. Also zwei Uhr wäre mir recht.“ So lief das natürlich nicht ab. Gott bestimmte immer den Zeitpunkt eines Gesichtes. Der Prophet hatte diese Wahl nicht.

Ich möchte davon berichten, wie Ellen White einmal ein Gesicht empfing, dessen Zeitpunkt sie niemals so gewählt hätte, wenn ihr die Wahl überlassen gewesen wäre. Es war im März 1858, als James und Ellen die verstreuten sabbathaltenden Adventisten in Ohio besuchten. Ich sage ausdrücklich „sabbathaltende“, weil unsere Gemeinschaft erst 1860 den Namen „Siebenten-Tags-Adventisten“ annahm. 1858 hatten wir noch gar keinen amtlichen Namen. Das Wochenende vom 13. zum 14. März 1858 verbrachten die Whites in Lovett’s Grove1. Weil es kein gemeindeeigenes Gebäude gab, hielt man die Versammlung in einem Schulhaus ab. Am Sabbat starb der Sohn2 einer der Familien3, die dort ansässig waren. James White wurde gebeten, noch bis Sonntag zu bleiben und die Beerdigung durchzuführen. Er stimmte zu. Nachdem alles erledigt war, drückte Ellen White der trauernden Familie ihr Beileid aus. Dann fiel sie ganz plötzlich in eine Vision.

Wenn das geschah, rief sie meistens aus: „Der Herr sei gepriesen!“ Manchmal wiederholte sie das zwei- oder dreimal. Die Zeugen sagten übereinstimmend aus, dass die Stimme bei jedem Ausruf ferner klang. War das auch jetzt der Fall? Wir wissen es nicht, denn darüber gibt es keine Aufzeichnungen. Aber es wäre typisch gewesen.

Das Gesicht dauerte zwei Stunden. Leichenbegängnisse sind in Amerika gewöhnlich eine sehr nüchterne Angelegenheit. Sie sind jedenfalls nicht etwas, was man gerne unterbricht. Ich bin sicher, dass sich Ellen White ein anderes Umfeld für ihre Vision ausgesucht hätte, wenn es nach ihr gegangen wäre. Aber was hat Gott ihr an jenem Tag gezeigt? Unter anderem war es der „Große Kampf“, wir wir das heute nennen. Wenn man innehält und alles vom Standpunkt Gottes aus zu betrachten versucht, muss man sich fragen:  Hätte es einen geeigneteren Ort gegeben als einen Friedhof, um darzulegen, was Satan angerichtet hat? Um auf die Folgen der Sünde und die Auswirkungen des Aufruhrs, den er im Himmel angezettelt hat, zu verweisen? Der Sarg des kleinen Kindes, das am Tag zuvor verstorben war, war dafür der beste Anschauungsunterricht.

Nach der Vision berichtete Ellen White einigen Umstehenden von dem, was ihr gezeigt worden war. Andere trugen den Sarg zum Grab und beerdigten den kleinen Jungen. Am nächsten Tag reisten James und Ellen White mit dem Zug von Ohio nach Jackson im Bundesstaat Michigan und von dort nach Battle Creek, wo sie wohnten.

Auf der Strecke nördlich von Jackson beschrieb Ellen ihrem Gatten noch genauer, was Gott ihr im Gesicht offenbart hatte. Dr. Roger Coon4 schrieb in seinem Buch Folgendes: In diesem Zug fuhr auch ein unsichtbarer, nicht zahlender Fahrgast mit. Angestrengt lauschte er dem, was Ellen ihrem Gatten über das Gesicht erzählte – über das, was Satan, der unsichtbare, nichtzahlende Mitreisende, seit seinem Aufruhr im Himmel getan hatte. Als dieser vernahm, dass Gott seiner Botin alles kundgetan hatte, beschloss er: Dieses Gesicht darf nicht veröffentlicht werden. Ich kann es nicht erlauben, dass das geschieht!

Als die Whites in Jackson ankamen, wurden sie auf dem Bahnhof von Dan und Abigail Palmer5, die schon früh den Glauben angenommen hatten, erwartet. Sie gehörten zu den ersten sabbathaltenden Adventisten in Michigan. Es war geplant, dass die Whites ein oder zwei Tage bei ihren Gastgebern verbringen würden, bevor sie ihre Weiterreise nach Battle Creek antraten. Doch im Haus der Palmers erlitt Ellen einen Schlaganfall – im Alter von 30 Jahren. Niemand erwartete, dass sie das überleben würde. Die Palmers und andere Sabbathalter beteten für Ellen. Schließlich fühlte sie sich wieder stark genug, um mithilfe ihres Mannes den Zug zu besteigen und die Heimreise nach Battle Creek fortzusetzen. Später schrieb sie, dass sie eigentlich nicht damit gerechnet habe, ihre Söhne wiederzusehen, weil sie als Folge des Anfalls den Tod erwartet hätte.

Nach der Ankunft in Battle Creek fühlte sich Ellen sehr schwach. James brachte sie gleich zu Bett. Sie wollte das Gesicht, das sie in Ohio empfangen hatte, aufschreiben, aber ihre Kräfte reichten dazu nicht aus. Schließlich fühlte sie sich stark genug, um wenigstens eine Seite zu schreiben. Danach war sie zu erschöpft, um mit dieser Arbeit fortzufahren. Allmählich schaffte sie eine Seite pro Tag, dann mehrere Seiten. Letzten Endes beendete sie das Manuskript für das Buch, das als Spiritual Gifts (Geistliche Gaben), Band 1, herauskam. Es war eigentlich die erste Ausgabe des Buches Der große Kampf.

Einige Monate später, als das eben erwähnte Manuskript schon fertig war, aber der Druck noch bevorstand, zeigte ihr Gott in einem weiteren Gesicht, dass hinter dem Schlaganfall im Haus der Palmers in Jackson Satan stand. Er hatte sie töten wollen.

Jener unsichtbare, nichtzahlende Fahrgast, der im Zug von Ohio nach Jackson so aufmerksam zuhörte, als Ellen ihrem Gatten von der Vision erzählte, fasste damals den Entschluss, dass das Buch über ihn niemals geschrieben werden dürfe. Ellen White erweiterte das ursprünglich kleine Buch zu insgesamt fünf großen Bänden, die wir heute die Entscheidungsserie nennen. Diese Bände heißen: Patriarchen und Propheten, Propheten und Könige, Das Leben Jesu, Die Geschichte der Apostel und Der große Kampf. Wenn du diese Bücher liest – ganz besonders den Großen Kampf – dann vergiss nie, dass vor allem der fünfte Band Ellen White beinahe das Leben gekostet hätte. Satan ist es ganz und gar nicht recht, wenn die Menschen dieses Buch oder die anderen Werke lesen, denn dadurch wird seine ganze schmutzige Geschichte enthüllt.

Anmerkungen:

1 Lovett´s Grove ist heute ein nördlicher Ortsteil von Bowling Green in Ohio
2 John Avery (1857-1858)
3 William R. H. Avery (1824-1916) und Betsey H. Avery (1831-1916)
4 Roger W. Coon, The Great Visions of Ellen G. White, Band 1 (Hagerstown: Review and Herald, 1992), S. 66-72
5 Dan R. Palmer (1817-1897) und Abigail Palmer (1823-1902)

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Wunderbares und Erstaunliches aus dem Leben von Ellen White“ von James R. Nix. Das Buch ist erhältlich unter www.adventistbookcenter.de

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