Der Matheprofessor und ich

Glaube und Studium
Der Matheprofessor und ich

Ein Schlagabtausch um den Glauben

Im Studium sehen sich junge Menschen oft mit zwei Welten konfrontiert, die aufeinanderprallen: Wissenschaft und Glaube. Informatik-Studentin Julia Merettig entschied sich, zu ihren Überzeugungen zu stehen – auch wenn jedes Semester ihre Hindernisse mit sich brachte. Was sie dabei in einem Schlagabtausch von Argumenten mit einem Mathematik-Professor erlebte und wie Gott ihre Treue belohnte, erzählt sie hier.

Als ich mich vor einigen Semestern in mein Informatik-Studium an einer Hochschule stürzte, begann eine neue, spannende und herausfordernde Zeit in meinem Leben. Bereits in der zweiten Woche besuchte ich meine Mathevorlesung bei einem etwas „schwierigen“ Professor (das war den meisten von uns schon in seiner ersten Vorlesung aufgefallen). Gegen Ende der Unterrichtseinheit hatte der Professor eine Powerpoint-Folie in seine Präsentation eingefügt, auf der er behauptete, einen Fehler in der Bibel gefunden zu haben. Anhand einiger Maßangaben aus 2. Chronik meinte er, die Authentizität der Bibel widerlegt zu haben, und machte sich im Allgemeinen darüber lustig.

Dann ging er allerdings noch einen Schritt weiter und fragte in abschätzigem Ton, ob es etwa jemanden in dieser Gruppe gäbe, der sich zu den Kreationisten zählte. Ich war ziemlich wütend über seine Überheblichkeit und Unverfrorenheit. Und ich sah es absolut nicht ein, ihn dort vorne vor meinen ganzen Kommilitonen über die Bibel spotten zu lassen, ohne etwas dagegenzuhalten. Aber wollte ich mich in diesen „Kampf“ begeben? Doch bevor ich den Gedanken überhaupt zu Ende gedacht hatte, war mein Arm schon oben. Mein Herz raste wie wild – und rückblickend kann ich absolut nicht sagen, woher dieser plötzliche Mut kam. Der Professor warf mir ein zynisches Lächeln zu und mir war klar, dass ich einem Matheprofessor – der zudem auch noch Physik lehrt – nicht viel entgegensetzen konnte. In Gedanken flehte ich zu Gott, er möge meine Worte leiten.

Kein leichtes Opfer

Der Professor begann, mich mit einem Argument nach dem anderen zu konfrontieren. „Er will mich vorführen, meinen Glauben lächerlich machen“, schoss es mir durch den Kopf. Alle sahen uns aufmerksam zu, die Spannung zwischen uns war förmlich zu greifen. Ich betete und betete in Gedanken und sah schon kommen, dass ich an einem seiner Argumente scheitern würde. Dann würde die logische Schlussfolgerung, dass der mit den besseren Argumenten Recht hat, unweigerlich im Raum stehen bleiben. Ein Argument nach dem anderen brachte er vor, und ein Argument nach dem anderen konnte ich entkräften. Normalerweise tendiert mein Hirn dazu auszusetzen, wenn ich unter Druck stehe, aber trotz der Aufregung und dem wilden Pochen im Herzen arbeitete mein Gehirn einwandfrei. Ich musste nicht einmal viel nachdenken. Die Antworten schossen mir einfach in den Kopf. Wenn ich keine Antwort wusste, hatte der Professor schon so schnell weitergeredet, dass niemandem auffiel, dass ich gerade keine Ahnung hatte. Aber er fuhr fort, Argument um Argument mit dem für ihn typischen spöttischen Lächeln auf den Lippen. Ich zitterte und betete immer weiter, während ich mich an meinen Tisch klammerte. Irgendwann in unserer Diskussion merkte ich, dass sich das Blatt wendete. Mir schien, als habe er begriffen, dass ich doch kein so leichtes Opfer sein würde. Dann stellte er mir irgendwann folgende Frage: „Aber was war vor der Schöpfung?“

Ich dachte gar nicht nach, die Antwort kam aus meinem Mund geschossen, bevor ich überlegt hatte: „Das ist im Christentum kein so großes Problem. Nimmt man an, es gäbe einen Gott in einer höheren Dimension, ohne Anfang und ohne Ende, so ist das Problem gelöst.“ Ich wartete kurz, dann stellte ich erstmals eine Gegenfrage: „Aber was würden Sie sagen, war vor dem Urknall?“ Er nannte es „Existentium“, oder so ähnlich – etwas in einer höheren Dimension ohne Anfang und ohne Ende.
„Okay“, entgegenete ich, „aber dafür brauchen Sie genau so viel Glauben wie ich.“ Er stimmte mir zu, murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und leitete kurz darauf wieder zu seiner Vorlesung über: „Ich würde ja gerne noch weiter diskutieren, aber…“, sagte er – und die Diskussion war beendet. Als ich den Raum verließ, zitterte ich am ganzen Körper, aber dankte Gott für seine unglaubliche Leitung.

Lob statt Schikane

Mir wurde klar, dass sich die Verheißung aus Jeremia 1,7-9 soeben in dieser Vorlesungsstunde erfüllt hatte: „Der Herr aber sprach zu mir: Sage nicht ‚Ich bin zu jung‘; sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dich heiße. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“

Doch es gab etwas, das mir ein wenig Bauchschmerzen bereitete: Ich machte mich darauf gefasst, nun Zielscheibe aller Launen meines Professors zu werden. Meine Befürchtung war, dass er mich womöglich durch die Prüfung fallen lassen könnte. Doch in den folgenden Wochen kristallisierte sich genau das Gegenteil heraus. Immer wieder schien es, als schätzte er mich in besonderer Weise. Zwar entging keiner von uns seinen Schikanen, aber ich bekam definitiv am wenigsten ab und wurde mehrfach vor dem ganzen Kurs gelobt.

Nur wenige Wochen später stand ich betend und mit klopfendem Herzen mit einer Bitte vor ihm: Mein Anliegen war, eine Zwischenprüfung zu verschieben, weil ich mich schon vor längerer Zeit für den Aufbau beim Youth in Mission Congress angemeldet hatte. Überraschenderweise reagierte der Professor sehr verständnisvoll, setzte sich über die geteilte Meinung des Kurses hinweg und tat mir diesen Gefallen, auch wenn es Mehraufwand für ihn bedeutete. Ich war sprachlos ... Sowohl die Zwischenprüfung als auch die finale Prüfung waren unverhältnismäßig schwer. Von circa vierzig Teilnehmern bestanden nur sieben. Und ich? Ich hatte am besten abgeschnitten. Da ich in beiden Prüfungen völlig überfordert gewesen war, konnte ich mir das Ergebnis nicht erklären. Es gab für mich nur eine logische Schlussfolgerung: Gott hatte mich für meine Treue belohnen wollen. Ich hatte das nicht von ihm erwartet und mich damit abgefunden, dass ich wahrscheinlich nicht bestehen würde. Aber in seiner Liebe hatte er mehr getan, als ich erbeten hatte.

Hindernisse machen stark

In meinem Studium habe ich bisher in jedem Semester mindestens ein Problem in Zusammenhang mit dem Sabbat gehabt. Meistens waren sogar gleich mehrere Veranstaltungen und/oder Prüfungen betroffen. Zu Beginn hatte mir ein Professor zu verstehen gegeben, wenn ich hart bliebe, liefe es wohl darauf hinaus, dass ich mein Studium abbrechen müsse. Aber Gott benutzte andere Professoren, um mir jedes Semester aufs Neue die Steine aus dem Weg zu räumen. Nicht immer war alles so einfach, wie es klingt. Oft stellte ich Gott die Frage: „Wieso schon wieder?“ Aber jedes Mal gaben mir seine Worte aus Jesaja 41,10 Mut: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ All diese Erfahrungen zu machen und Gottes Wirken zu sehen, hat meinen Glauben stärker gemacht und ich durfte Gott dadurch ein Stückchen besser kennenlernen.

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