„Hast du Frieden mit Gott?“

Rechtfertigung
„Hast du Frieden mit Gott?“

Antworten auf eine quälende Frage

„Hast du Frieden mit Gott? Und wenn ja, woher weißt du das?“ Die Augen des jungen Mannes weiteten sich deutlich, als er meine Frage hörte. Ein Ausdruck von Unsicherheit, Angst und Traurigkeit spiegelten sich abwechselnd in seinem Gesicht wieder. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass sich mit einem Mal ein Riss auftat und die Welt preisgab, die wir normalerweise nicht sehen können: Engelheere Jesu auf der einen Seite; auf der anderen die Armeen Satans. Wie bei elektrischer Ladung nahm ich plötzlich die Kräfte wahr, die in diesem Moment miteinander rangen. Kräfte, die unseren Augen gewöhnlich verborgen bleiben. Schlagartig wurde mir bewusst, dass es bei dieser einfachen Frage eigentlich um Leben und Tod ging! Und das wurde auch körperlich in denjenigen spürbar, die sich dieser Frage stellten.

Unerwartete Reaktionen

Die Frage nach dem persönlichen Frieden mit Gott erschien so bedeutsam, dass ich mich dieses Jahr im Auftrag des Youth in Mission-Arbeitskreises unter die jungen Kongressteilnehmer mischte und sie auf das Thema ansprach, das bereits Luther vor Jahrhunderten beschäftigte: „Wie kann ich einen gnädigen Gott annehmen? Wie kann ich Frieden mit ihm haben?“ Denn genau das war der Grund, warum der Reformator die Kutte angezogen und als Mönch im Kloster gelandet war. Mit guten Taten wollte er sich Gottes Gnade und den Frieden mit ihm erkaufen. Deshalb fastete er regelmäßig, hielt Nachtwachen, betete inständig, beichtete immer und immer wieder. Doch all die Bemühungen schienen vergeblich. Über seine Gefühle gegenüber Jesus Christus sagte er selbst zu dieser Zeit: „Wenn ich ihn gemalt sah, erschrak ich vor ihm wie vor einem Teufel, weil ich sein Gericht nicht ertragen konnte.“1

Woher wissen wir also, dass wir Frieden mit Gott haben? Bei meinen Begegnungen mit den Jugendlichen des Youth in Mission Congresses fiel mir auf, dass viele diese Frage nicht wirklich beantworten konnten. Es gab wut- und angsterfüllte Reaktionen, Ratlosigkeit – aber zum Glück war auch oft genug Freude, Zuversicht und Hoffnung zu erkennen. Als ich die kleinen Zettel auspackte, um ins Gespräch zu kommen, war ich nicht auf die starken Reaktionen gefasst. Und manchmal fielen diese Reaktionen wirklich heftig aus: „Nein, ich habe keine Frieden mit Gott! Ich bin ihm böse und will gar nichts von ihm wissen!“, rief mir eine junge Teilnehmerin aufgebracht zu. Bei einer kleinen Dreiergruppe wurde stiller Zorn in den Augen sichtbar. „Warum muss man denn Jesus dazu annehmen? Kann nicht auch jeder Mensch gerettet werden, ohne dass er Jesus kennt?“ Eine der drei Teilnehmerinnen zerknüllte als sichtbaren Ausdruck ihres Ärgers ganz langsam den kleinen Zettel mit der Frage vor meinen Augen.

Der Kampf, der in vielen Menschen und auch in den Jugendlichen unserer Gemeinde tobt, wurde in solchen Momenten spürbar. Nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, dass der Gegenspieler gezielt die Gespräche unterbrechen wollte. Gerade hatte ich einem jungen Mann die entsprechende Frage gestellt und wollte eigentlich schon zu einer biblischen Antwort übergehen, da drängte sich plötzlich eine andere Person zwischen uns und fing mit einem neuen Thema an. Das Gespräch war damit vorbei, die Antwort blieb offen. Und selbst wenn ich den Teilnehmer wieder getroffen hätte, wäre ein Anknüpfen an das Thema wohl eher fraglich gewesen. Denn wenn ich eines in der Jugend- und Pfadfinderarbeit gelernt habe, dann ist es das: Nutze den Augenblick der Entscheidung! Wenn uns junge Leute eine Frage stellen, dann müssen wir antworten! Bei der Arbeit mit Jugendlichen hatte ich in der Vergangenheit einen Satz losgelassen wie „Lass uns etwas später in Ruhe darüber reden!“ oder „Jetzt ist es gerade ungeschickt!“ Doch leider stellte sich im Nachhinein jedes Mal heraus, dass es kein Später mehr geben sollte. Wenn uns also Kinder und Jugendliche – oder auch Erwachsene – essentielle Fragen stellen, dann ist es wichtig, jetzt und hier darauf einzugehen. Denn ein Später wird es in aller Regel nicht geben ...

Nach dem Turmerlebnis

Aber zurück zu Luther: Die Befreiung aus einem Leben in Angst ging für den Reformator mit seinem sogenannten Turmerlebnis einher. Ob es nun tatsächlich ein punktuelles Ereignis oder ein Prozess während seines Studiums des Römerbriefes war, ist nicht so entscheidend. Wichtig ist die Erkenntnis, die er daraus gewann. „Der Gerechte wird aus Glauben leben!“, heißt es in Römer 1,17; und ergänzend lesen wir in Römer 5,1: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus!“

Ist die Antwort auf eine solch quälende Fragen nun so einfach? Ja, sie ist so einfach! Wenn wir auf dieser Welt geboren werden, haben wir nicht von Natur aus Frieden mit Gott. Doch dafür kam Jesus Christus in die Welt! In Johannes 14,6 sagt er über sich selbst: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich!“ Wenn wir Jesus unser Leben übergeben, dann dürfen wir in der Gewissheit leben, dass wir Frieden mit Gott haben. Einen Frieden, der wirklich zu spüren ist. Deshalb schrieb auch Paulus: „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind!“ (Römer 8,16) Und auch Jesus versicherte in Johannes 14,27: „Meinen Frieden gebe ich euch!“

Wie schön ist es, diesen Frieden zu haben! Wie schön ist es, wenn Jugendliche ganz spontan ausrufen: „Ja, ich habe Frieden mit Gott – durch Jesus Christus! Er hat mir meine Sünden vergeben und er steht für mich ein vor dem Vater! Einen Text dafür? Na, Johannes 3,16: ‚Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!'“

Martin Luther war nach seinem Turmerlebnis nicht mehr derselbe. Und auch ich kann mit voller Freude bezeugen: Bernd Sengewald vor und nach seiner Annahme der Versöhnung durch Jesus Christus ist nicht zu vergleichen. Deshalb bin ich dankbar, dass wir unseren Erlöser haben und in Frieden mit Gott leben dürfen.

Quellen:

1 Veit-Jakobus Dieterich: Martin Luther – Sein Leben und seine Zeit, dtv Verlagsgesellschaft, München, 2008,  S. 43

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