Weiberwirtschaft !?

Ressort Frauen
Weiberwirtschaft !?

Über die Arbeit des Ressort Frauen

Serviettentechnik, Klatsch und Tratsch, und zwischendurch ein paar Psalmen lesen – so stellte ich mir immer die Arbeit des Ressorts Frauen vor. Belastet von Vorurteilen und vor allem Unwissen, machte ich jahrelang einen großen Bogen darum. Eigentlich hatte ich niemals zuvor mit dieser „Abteilung“ zu tun gehabt. Und dennoch: meine Vorstellungskraft platzte geradezu vor Mutmaßungen und Halbwissen.

„Zufälligerweise“ geriet ich im Frühjahr in eine Klausurtagung der Leiterinnen der Abteilung Frauen in Deutschland hinein und erlebte eine Überraschung: Weit und breit weder Bastelmaterial noch Feministinnen – dafür ein Raum voller sympathischer, engagierter, strukturiert arbeitender Frauen ausgestattet mit Laptops und einer straffen Agenda. Ich war völlig irritiert. Konnte ich mich wirklich so getäuscht haben?

Die Geschichte der Frauendienste

Um die Arbeit der Abteilung Frauen innerhalb unserer Freikirche verstehen zu können, müssen wir die Zeit etwas zurückdrehen. Die Geschichte der adventistischen Frauendienste hängt eng mit dem Leben und Wirken von Sarepta Myranda Irish Henry zusammen. Sarepta wird in die Familie eines Methodistenpastors in Illinois hineingeboren. Sie heiratet einen Lehrer und bekommt mit ihm drei Kinder. Ihr Mann verstirbt früh und sie kämpft hart, um ihre Familie als Lehrerin und Schriftstellerin über Wasser zu halten. Erschüttert darüber, dass eines ihrer Kinder dem Alkohol verfällt, gründet sie 1874 eine heute weltweit berühmte Abstinenzbewegung („Women’s Christian Temperance Union“), die immer weitere Kreise zieht.

Als sie sich schließlich wegen eines Herzleidens im Battle Creek Sanatorium behandeln lässt, erlebt sie nicht nur körperliche Heilung, sondern findet auch zum adventistischen Glauben. Diesen bekräftigt sie 1896 durch die Taufe in der Adventgemeinde. Schon 1898 arbeitet sie ein Programm namens „Frauendienste“ aus und reist damit durch Amerika und Kanada. Ihr Ziel ist es, Frauen zu unterrichten und zu befähigen, eine wertvolle und organisierte Arbeit in der Gemeinde zu tun. Kurz nach ihrem Tod im Jahr 1900 jedoch hört die organisierte Arbeit der Frauen wieder auf. Erst seit 1995 ist die Abteilung Frauen offiziell eine eigene Abteilung der Generalkonferenz (GK).

Basteltreff für Feministinnen?

Nach meiner Wahl zur Beauftragten des Ressorts Frauen in Baden-Württemberg versuchte ich hochmotiviert einige Frauen aus meinem Bekanntenkreis zur Mitarbeit zu bewegen. „Keine Lust auf Serviettentechnik!“, sagte die erste. „Dort hocken sicher nur schnippische Frauen, die mit Männern nicht zurechtkommen“, argwöhnte die zweite. Und so gingen die Kommentare weiter. Ihre Reaktionen ärgerten mich zunächst sehr, doch dann wurde mir klar: Sie spiegelten nur die Vorurteile wieder, die mich selbst immer von der Mitarbeit abgehalten hatten.

Den meisten von uns ist mit Sicherheit nicht bekannt, für wie bedeutsam Schwester White die Arbeit einer Abteilung hält, die sich speziell um Frauen kümmert und sie ermutigt und befähigt, ein Leben der Jüngerschaft im Dienst Jesu zu führen. Darum hier ein Auszug aus ihrem Briefwechsel mit Schwester Henry: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, Frauen zu haben, die unterwiesen werden könnten, un-
seren Schwestern zu helfen, sich aus ihrer Entmutigung zu erheben und zu erkennen, dass sie eine Aufgabe im Werk des Herrn übernehmen können.“1

Gabenorientiert denken

Das Ressort Frauen ist entgegen vieler Behauptungen weder ein Basteltreff noch ein feministisch orientierter Debattierclub. Vielmehr wollen wir Seite an Seite gemeinsam mit unseren Brüdern das Werk Gottes weiter voranbringen, jeder auf seine Art und Weise. Schwester Henrys Vision und Ellen Whites Wunsch sind auch unser Ziel – nämlich Gemeindeglieder auf ihrem Weg mit Gott zu bereichern und für ihren Dienst zu befähigen. Die enge Zusammenarbeit mit allen Abteilungen (z.B. der Abteilung Heimatmission) hat in diesem Zusammenhang hohe Priorität, denn nur wer in Netzwerken denkt, arbeitet, kooperiert und sich so gegenseitig bereichert, erfüllt die Idee Christi aus 1. Korinther 12,27: „So bildet ihr gemeinsam den Leib von Christus, und jeder Einzelne gehört als Teil dazu.“ Die Abteilung Frauen ist kein Club von Eigenbrötlerinnen, sondern möchte mit ihren Fortbildungen und bedürfnis- sowie gabenorientierten Angeboten ihren Teil zur Erfüllung des Auftrags der Gemeinde beitragen.

So beschreibt Hannele Ottschofski ihre Motivation zur Mitarbeit im Ressort Frauen folgendermaßen: „Es ist mir ein Herzensanliegen, Frauen zu helfen, ihre Gaben zu entdecken und weiterzuentwickeln. Deshalb engagiere ich mich in der Frauenweiterbildung. Es schenkt mir Kraft und Befriedigung, weil ich sehe, dass Gott mich gebraucht.“ Sarah Feser, Mitglied im Arbeitskreis Girls4Christ BW, hat ihre eigene Lebensgeschichte zum ehrenamtlichen Engagement bewogen: „Als ich ein junges Mädchen war, hätte ich mir gewünscht, mehr über Themen in der Gemeinde zu sprechen, die für mich als Teenager wichtig waren. Darüber, wie ganz praktisches Christsein in einer Welt wie dieser für ein junges Mädchen funktioniert“, sagt sie. „Ich wünsche mir für die Mädchen von Girls4Christ, dass sie in uns Ansprechpartnerinnen für solche Themen finden; dass wir gemeinsam erleben können, wie wunderschön ein Leben mit Jesus ist. Und dass wir unsere Freude daran an andere weitergeben können.” In 1. Petrus 4,10 (NL) lesen wir: „Gott hat jedem von euch Gaben geschenkt, mit denen ihr einander dienen sollt. Setzt sie gut ein, damit sichtbar wird, wie vielfältig Gottes Gnade ist.“ Ich freue mich, dass sich viele unserer Geschwister, Männer wie Frauen, dieses Motto auf ihr „Lebensbanner“ geschrieben haben. Jeder trägt mit seinem ganz persönlichen Zeugnis dazu bei, dass Menschen Jesus Christus als ihren Herrn und Heiland kennenlernen. Möge Gott uns das Feingefühl schenken, ohne Konkurrenzdenken miteinander zu kooperieren und voneinander zu profitieren.

Quellen:
1 E.G. White: Evangelisation: Das Evangelium wirksam verkündigen, S. 423-424

Mehr Informationen finden Interessierte unter www.sta-frauen.de.

Das aktuelle Projekt des Ressorts Frauen ist die Erstellung eines für alle kostenlos zugänglichen Pools an Arbeitsmaterial (Hauskreisthemen, Bibelstunden, Kleingruppenarbeit, etc.). Wer dazu etwas beitragen möchte, darf sich gerne per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden.

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