Haus der Lebensträume

Mission in Riedlingen
Haus der Lebensträume

10 Jahre Missionare in Riedlingen

Sichtlich bewegt schaute die Frau, die sich gerade in unserem christlichen Buchladen umgeschaut hatte, auf eine Karte. Darauf stand ein Vers aus Offenbarung 21: „Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein (...) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“. Nachdem ich sie angesprochen hatte und wir uns ein wenig unterhielten, lud ich sie ein, doch gerne wieder vorbeizuschauen. So entwickelte sich bald eine Freundschaft. Einige Zeit später fragte ich sie, ob sie die Bibel gerne näher kennenlernen wollte; sie war sofort damit einverstanden. Nachdem wir ein Jahr lang gemeinsam die Heilige Schrift studiert hatten, entschied sich die Frau, ihr Leben Jesus zu übergeben, und ließ sich in der Donau bei Riedlingen taufen.

Das ist nur eine von vielen Erfahrungen, die meine Frau Waldtraud und ich während unseres zehnjährigen Dienstes im „Haus der Lebensträume“ machen durften. Begonnen hatte alles mit einem Wunder: Als Waltraud und ich im Jahr 2005 durch die Altstadt von Riedlingen schlenderten, bemerkten wir ein Haus mit einem Geschäft, das zum Verkauf für 160.000 Euro angeboten wurde. Es schien für Gottesdienste, einen Bücherladen und sonstige missionarische Zwecke ideal zu sein. Als wir die Besitzerin, eine alteingesessene Geschäftsfrau aus Riedlingen, kennenlernten, erklärte sie uns: „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieses Haus kaufen. Sie scheinen anders als die anderen zu sein. Ich kann nicht sagen, was es ist. Aber mein Gefühl hat mich noch nie getäuscht.“ Da der Verkaufspreis inklusive Renovierungen für uns jedoch zu hoch war, sagten wir ab. Nur wenige Wochen später erhielten wir einen Anruf von der Besitzerin, die uns erzählte, es hätten sich viele interessierte Leute gemeldet, die eine Kebabstube, eine Gaststätte, eine Spielhalle, ja sogar eine Moschee aus dem Haus machen wollten. Doch dies entsprach nicht ihren Vorstellungen. „Ich habe immer noch den Eindruck,“ sagte sie, „dass Sie das Haus bekommen sollten. Deshalb habe ich mich entschlossen, es ihnen zu schenken.“ Erst danach erzählten wir ihr von unseren Plänen, als Adventisten das Haus für Missionszwecke zu nutzen. Mit Tränen in den Augen entgegnete sie darauf: „Das ist ganz in meinem Sinne. Ich sehe Ihre Vorstellungen als Führung des Geistes Gottes an.“

Zeit für persönliche Kontakte

Und damit hatte sie Recht. Wir erlebten, wie Gott bereits vom ersten Tag an viele interessierte Besucher zu uns schickte. In den darauffolgenden zehn Jahren durften wir neun fremde Menschen durch Gebet, Opferbereitschaft und Gottes Hilfe zu Jesus führen. Dabei erhielten wir immer wieder Unterstützung von Bibelarbeitern und Predigerpraktikanten sowie von Geschwistern aus unserer Heimatgemeinde in Biberach an der Riß.

Über den Laden, der mit einem zwölf Meter langen Schaufenster ausgestattet ist und in dem wir christliche Bücher und Geschenkartikel anbieten, eröffnen sich für uns zahllose Möglichkeiten, Menschen anzusprechen. Viele kommen auch von sich aus, stellen Fragen zur Bibel oder bitten um ein gemeinsames Gebet. Die Räumlichkeiten bieten außerdem Platz für Seminare zum Thema Gesundheit oder Trauerbewältigung. Auch Kochkurse fanden hier bereits statt.

Einmal im Monat versammeln wir uns zum Gottesdienst mit anschließendem gemütlichen Beisammensein bei Potluck und Gedankenaustausch. Während der ersten sechs Jahre nahmen etwa 20 bis 25 Personen am Gottesdienst teil. Die Hälfte davon waren Gäste, die wir durch persönliche Kontakte eingeladen hatten. Wir bemühen uns, die Gottesdienste so lebendig wie möglich zu gestalten; vor allem wollen wir Zeit mit den Menschen verbringen und die Beziehung zu ihnen pflegen.

Diese Gelegenheit bietet sich unter anderem bei unserem Bibelkreis. Dabei machten wir gleich zu Beginn eine wunderbare Erfahrung, von der BWgung bereits in Ausgabe 4/2009 berichtete. Jede Woche trafen sich Waltraud und ich mit vier Frauen, die sich bereits in der Heiligen Schrift etwas auskannten. Sie kamen gerne zu unserem Bibelkreis, hatten jedoch Schwierigkeiten, den Sabbat zu verstehen und zu akzeptieren. Bei jedem Treffen sprachen sie dieses Thema erneut an, bis eine der Frauen sagte: „Ich werde niemals Adventistin!“. Trotzdem war sie interessiert daran, meine Frau bei der Evangelisation von Haus zu Haus zu begleiten. Im Laufe der Zeit gestaltete sich dieses Vorhaben jedoch schwierig, da die Leute an den Türen fragten, zu welcher Glaubensgemeinschaft sie denn gehörten. Meine Frau antwortete: „Zur evangelischen Freikirche der Adventisten“, während ihre Begleiterin sagte: „Zu einer christlichen Gemeinschaft“. Schnell merkten die beiden, dass diese Unstimmigkeit die Menschen irritierte und sie auf diese Weise zusammen nicht erfolgreich sein würden. Und so begannen wir erneut, allen vier Frauen den Sabbat anhand verschiedener Bibelstellen zu erklären. Wir studierten das Thema intensiv in der Offenbarung und schauten uns die Bedeutung des Sabbats im Alten wie im Neuen Testament an – bis eines Tages die Frau bei uns anrief, die Waltraud zuvor von Haus zu Haus begleitet hatte, und uns offenbarte, sie habe den Sabbat verstanden; nun wollte sie auch gerne Adventistin werden. Seitdem ist diese Frau eine unserer treuesten Glaubensschwestern.

Stadtbekannt

Auch wenn nicht alle Bibelstunden zu Entscheidungen führen, haben uns die vielen Kontakte zu Menschen in Verbindung mit Seminaren, Angeboten und Aktionen (wie zum Beispiel „Kinder helfen Kindern“) in Riedlingen, einem Ort mit 10.000 Einwohnern, bekannt gemacht. Neulich besuchte uns eine Redakteurin von der Schwäbischen Zeitung und machte uns darauf aufmerksam, dass wir dieses Jahr unser zehnjähriges Jubiläum hätten.

Ursprünglich war es unser Ziel, mit unserer Arbeit eine Adventgemeinde ins Leben zu rufen. Auch wenn es bisher nicht dazu kam, sind wir trotzdem überzeugt, dass unser bisheriger Dienst in Riedlingen nicht vergeblich war. Das bestätigt allein schon die Freundschaft mit der ehemaligen Besitzerin des Hauses, die übrigens bis heute regemäßig an unseren Bibelstunden teilnimmt.

Auch wenn Waltraud und ich bereits in Rente sind und es finanziell nicht immer einfach ist, wollen wir auf keinen Fall aufgeben. Solange Gott uns noch gesund erhält, werden wir diese wertvolle Arbeit fortführen und gleichzeitig beten, dass sich vielleicht ein Nachfolger findet, der dieses Projekt weiterführen möchte. Denn eines haben wir in den letzten zehn Jahren gelernt: Gott kann Großes tun und Türen öffnen. Wir müssen nur vorangehen.

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