Schlafe nicht, bete!

Gebet
Schlafe nicht, bete!

Die dramatische Erfahrung einer adventistischen Missionarin

Mitten in der Nacht, gegen 2.00 Uhr, wird Norma plötzlich von einer Stimme aus dem Schlaf gerissen: „Schlafe nicht, bete!“ Sie erschrickt. War das nur ein Traum? Sie steht auf, kniet nieder und betet. Als sie sich wieder zu Bett begeben will, hört sie erneut: „Schlafe nicht, bete!“ Norma ist Predigerfrau und Missionarin in einem asiatischen Land. Um Material für die Kindersabbatschule abzuholen, hatte sie zusammen mit ihrem fünfjährigen Sohn eine Busreise zur Vereinigung unternommen und dort im Gästezimmer übernachtet. Obwohl sie der Meinung ist, sie hätte schon für alles gebetet, bittet sie nochmals um Verzeihung all ihrer Sünden, um den Geist Gottes, um eine gute Heimfahrt, für Familie, Verwandte, Gemeindeglieder und um Liebe zu Gott. Als sie sich erneut hinlegen will, hört sie zum dritten Mal die Stimme: „Schlafe nicht, bete!“ Jetzt wird ihr klar: Es scheint hier um etwas Wichtiges zu gehen. 

Da Norma nicht weiß, worum sie noch beten soll, durchsucht sie die Bibel nach Gebeten und stößt auf Psalm 91, der mit den Worten beginnt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ So spricht sie: „Herr, ich möchte diesen Psalm jetzt zu meinem Gebet machen.“ Sie nimmt die Verheißungen von Psalm 91 für sich in Anspruch und greift zum Liederbuch. „Schließlich sind Lieder auch Gebete“, sagt sie sich. Ohne wirklich zu suchen, schlägt sie ein Lied nach dem anderen auf: „Geh mir nicht vorbei, o Heiland!“, danach „Er führet mich“ und anschließend das Lied „O bleibe, Herr!“. Norma nimmt auch diese Verheißungen im Gebet für sich in Anspruch. Doch als sie sich wieder hinlegen will, hört sie erneut ganz deutlich die Stimme: „Schlafe nicht, bete!“ Ihr wird nun klar, dass sie in dieser Nacht überhaupt nicht mehr schlafen soll. „Herr, welches Gebet soll ich beten?“ fragt sie, und betet erneut den Psalm 91 sowie die drei Lieder. 

Schüsse im Bus 

Am frühen Morgen weckt sie ihren Jungen und die beiden machen sich mit einem großen Reisebus auf den Heimweg. Normas Geist ist gänzlich erfüllt von dem Psalm und den Liedern. Im Bus sind auf beiden Seiten des Ganges Dreiersitze eingebaut. Der Junge sitzt am Fenster, Norma neben ihm. Direkt am Gang hat eine ältere Frau Platz genommen. Es ist schönes Wetter, sodass der Bus gut vorwärtskommt.

Als sie nach wenigen Stunden eine Biegung nehmen, versperrt ihnen plötzlich eine Gruppe von Rebellen mit großem Geschrei die Straße. Nun geht alles schnell: Überfall, ein Schuss fällt, der Fahrer wird am Kopf getroffen. Sein Fuß kommt vom Gas ab, der Motor blubbert, der Bus kommt zum Stehen. Im nächsten Moment wird der Wagen von Kugeln durchsiebt. Normas Sohn verbirgt den Kopf bei seiner Mutter. Die Frau neben ihr wird tödlich getroffen und sinkt auf Normas Schoss. Norma verspürt Stiche – doch sie lebt.

Plötzlich stürmen von beiden Seiten zwei Rebellen mit langen Messern bewaffnet in den Bus. Sie fluchen und scheinen das Fahrzeug nach bestimmten Personen zu durchsuchen. Macht jemand den Eindruck, zu leben, schlagen sie ihm den Kopf ab. Norma weiß, was auf sie zukommt. Sie gehört zu einem Stamm, den diese Rebellen ausrotten wollen. Alle aus ihrem Stamm haben einen so starken Akzent, dass sie leicht daran erkannt werden kann. Sie weiß: „Meine Sprache wird mich verraten.“ Allmählich nähern sich die Rebellen Normas Platz. In diesem Augenblick geht ihr Psalm 91 zusammen mit den drei Liedern durch den Kopf, die sie die Nacht zuvor vor Gott gebracht hatte. Jetzt hat Norma keine Angst mehr. Ohne jegliche Gedanken des Auswegs aus dieser dramatischen Situation betet sie: „Herr, hilf mir, dass ich dir keine Schande mache, wenn ich sterbe.“ Nun fühlt sie sich ganz in Gott geborgen.

Übernatürliche Rettung

Als der Rebell schließlich vor ihr steht, hält Norma ihm ihre Hand abwehrend entgegen und sagt auf Englisch: „Halt! Ich bin eine Missionarin der Siebenten-Tags-Adventisten.“ Wenn Menschen in Lebensgefahr sind, sprechen sie erfahrungsgemäß in ihrer Muttersprache – doch Norma hatte Englisch gesprochen, obwohl sie eigentlich kaum ein Wort auf Englisch sagen konnte! Diese Tatsache hatte den Akzent ihrer Muttersprache verdeckt. Der Rebell merkte nicht, dass sie zu dem besagten Stamm gehörte. (An dieser Stelle ist es vielleicht interessant zu erwähnen, dass in diesem Land Siebenten-Tags-Adventisten dafür bekannt sind, dass sie sich nicht in politische Angelegenheiten einmischen, sondern sowohl den Regierungstruppen als auch den Rebellen bei Verletzungen oder Essensnot Hilfe leisten.)

Doch zurück zur Geschichte: Verblüfft und etwas verwirrt starrt der Rebell die junge Frau an und sagt: „Sieh zu, dass du so schnell wie möglich hier rauskommst.“ So schnappt sich Norma ihren Jungen und steigt über die Leichen hinweg bis nach draußen. Die Rebellen sind bereits verschwunden. Norma setzt sich an einer etwas entfernten Stelle hinter dem von Kugeln durchsiebten Bus nieder und betet um Hilfe. Als die Rebellen einem weiteren Überlandbus dasselbe Schicksal bereiten, wird Norma klar: Hier kann sie nicht bleiben.

Sie rennt, so schnell sie kann, davon und und kauert sich mit ihrem Jungen unter einen überhängenden Felsen. Dort ist es mucksmäuschenstill. – Später erfährt sie aus der Zeitung, dass in ihrem Bus 47 und im zweiten Bus 17 Menschen getötet wurden. – Und wieder hört sie die Stimme, die sagt: „Du musst hier weg.“

Da sieht Norma plötzlich in der Ferne einen Mann laufen. Sie rennt ihm hinterher und spricht ihn an, doch er antwortet nur das Nötigste. Trotzdem trägt er ihre Tasche; Norma nimmt ihren Jungen auf den Arm. Als ein zweiter Mann zu Hilfe kommt, geht es schneller vorwärts. Schließlich kommt ein Lieferwagen vorbei, und die vier Personen nehmen auf der Ladepritsche Platz. Normas Kleidung ist voller Blutflecken. Da sich der Fahrer mit Leuten wie ihnen in der Stadt nicht sehen lassen will, müssen sie am Stadtrand wieder aussteigen. „Wo sollen wir jetzt Hilfe finden?“ fragt sich Norma. Als der Mann, den sie zuerst traf, verschwindet und es keinen Ort gibt, an dem er sich hätte verstecken können, wird ihr klar: „Ein Engel hat uns geholfen.“

Vom nächsten Haus aus ruft Norma schließlich einen Rettungswagen. Im Krankenhaus wird sie sofort operiert. Als sie wieder zu sich kommt, steht der behandelnde Chirurg bereits neben ihr und fragt: „Wer sind Sie?“ Norma antwortet: „Ich habe doch die Papiere ausgefüllt.“ Doch er fragt sie noch einmal: „Wer sind Sie, und aus was sind Sie?“ Erstaunt erwidert Norma: „Was meinen Sie?“ Da antwortet der Arzt: „Ich habe neun Kugeln entfernt. Der Position der Geschosse nach hätten sieben von ihnen tödlich sein müssen. Sie müssen aus Stahl sein.“ Er zeigt ihr eine Kugel, die vorne abgeflacht ist – als hätte sie auf Stahl getroffen. Da bekennt Norma: „Ich bin eine Christin.“

Nun zieht der Arzt Normas Bibel hervor: Die Hülle ist von einer Kugel zerrissen. Die Bibel selbst ist unberührt, doch man erkennt, dass das Geschoss in einem Winkel von 90 Grad abgeprallt sein musste! „Ich weiß jetzt, wessen Buch die Bibel ist“, sagt Norma. Sie ist froh, dass sie gewohnt war, Gott in allem gerne zu gehorchen – auch mitten in der Nacht, als die Stimme sie mehrfach aufforderte: „Schlafe nicht, bete!“

Diese Geschichte erschien zuerst im Missionsbrief.

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