Vom Gemeindeglied zurück zum Jünger

Jüngerschaft
Vom Gemeindeglied zurück zum Jünger

Wenn Gottes Wort wiederbelebt

Anderen mit Leidenschaft von Jesus erzählen zu wollen – diese Begeisterung ging bei Andrea Kalmbach einige Zeit nach ihrer Bekehrung verloren. Gleichzeitig fühlte sie eine innere Unzufriedenheit darüber, bis sie schließlich bei einem Seminar über Jüngerschaft die Lösung für ihr Problem fand.

Wer Erlösung erfahren hat, der kennt ihn: den starken Drang, anderen vom Geschenk der Vergebung zu erzählen und vom Wunder, „eine neue Kreatur in Christus zu sein“! So ging es mir, als ich nach einigen wilden Teenagerjahren mit 18 zum Glauben fand. Ich redete „zur Zeit und zur Unzeit“ von ihm, meinem Heiland, Freund und Erlöser. Und da es für „hyperaktive Neubekehrte“ jede Menge Beschäftigungstherapien in der Gemeinde gibt, war mein Leben neben Arbeit und Familienmanagement bald auch mit verschiedenen Gemeindeaktivitäten gefüllt. Es kam mir nie in den Sinn, meinen Jesus wieder loszulassen. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, über ihn zu reden, nachließ. Das Verlangen, Menschen mit dem großen Menschenfreund bekannt zu machen, war nicht mehr ganz so stark. Da es niemanden zu stören schien, gewöhnte ich mich allmählich daran. Aber im Herzen spürte ich immer eine ungestillte Sehnsucht nach mehr.

Als ich vom 18. bis 23. Juni zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern ein Seminar über „multiplizierende Jüngerschaft“ auf der Diepoldsburg besuchte, gab Gott mir die Erklärung und Lösung für meine innere Unzufriedenheit: Jesus hat Jünger berufen, doch ich war zum Gemeindeglied degeneriert!

Zur Nachfolge berufen

Unter der Leitung von Thomas Knirr und Michael Dörnbrack studierten wir in einer Gruppe von knapp sechzig Geschwistern Jüngerschaft, wie die Bibel sie meint. Dabei haben wir (wieder)entdeckt, wie leicht, spannend und tiefgründig persönliches Bibelstudium sein kann. Gemeinsam betrachteten wir Gottes Missionsprinzip: Jesus rief Jünger in seine Nachfolge und bildete sie aus. Er schickte sie los, um nach „Kindern des Friedens“ Ausschau zu halten (Lk 10,6). Diese vom Heiligen Geist vorbereiteten Menschen nahmen die Gute Nachricht an und wurden wiederum zu Jüngern. Die Gemeinde wuchs rasant, weil es so viele „Jünger“ gab. Sie praktizierten Multiplikation, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte.

Plötzlich verstand ich, was ich bisher falsch gemacht hatte: Statt Sprungbrett und Durchgangsstation für die Entstehung weiterer Kreise zu sein, war unser Bibelkreis „Endstation“, weil wir uns als Leiter und Teilnehmer immer nur um uns selbst drehten. Wir freuten uns über unsere zunehmende Bibelkenntnis, versäumten aber, anderen das Gelernte weiterzuerzählen. Unser Kreis war abhängig von mir als Leiter. Langsam dämmerte es mir, dass meine Aufgabe eigentlich darin bestand, mich entbehrlich zu machen, indem ich meiner Gruppe zeigte, wie einfach es ist, selbst einen missionarischen Hauskreis zu leiten. Damit schaffte ich die zeitliche Voraussetzung, mich auch um andere Menschen zu kümmern und sie gleichermaßen zu lehren, sich in einem missionarischen Hauskreis einzubringen. Ja, sogar Gäste können behutsam an diese Aufgabe herangeführt werden und lernen ganz selbstverständlich, den Segen, den wir von Gott empfangen haben, an andere weiterzugeben.

Von der Einbahn- zur „Zweibahnstraße“

Gottes Auftrag „Machet zu Jüngern“ und „Lehret sie halten“ ist keine Einbahnstraße. Es bedeutet, dass wir vorleben und anleiten, auch in der Mission. Wenn Menschen sich zu Jesus bekehren, müssen wir sie nicht erst dazu überreden, von ihm zu erzählen. Sie wollen das tun! Doch sie sind darin noch unerfahren und dankbar für Unterweisung. Wir können ihnen helfen, indem wir ihnen zeigen, wie sie ihren Glauben weitergeben können. Durch diese einfache Art der Ausbildung entsteht eine „Zweibahnstraße“ – Multiplikation. Gott will mehr, als Geschwister und Interessierte mit frommen Angeboten und Aktivitäten bei Laune zu halten. Er will Jünger!

Ein Jüngerschaftskreis kann dabei der Ausgangspunkt für meine eigene missionarische Wiederbelebung und die meiner Geschwister sein. Gemeinsam lernen wir erstmals oder neu, „jeden Stein in Gottes Wort umzudrehen“, die kostbaren Perlen selbst zu entdecken, für Erntearbeiter zu beten und selbst einer zu sein. Die Umsetzung ist so einfach wie genial! Jeder liest zu Hause die gleiche biblische Geschichte und beantwortet für sich folgende Fragen: Was sagt dieser Bibelabschnitt über Gott? Was sagt er über Menschen? Was sagt er über das Leben mit Gott? Was möchte Gott, das ich tue mit dem, was ich gelernt habe? Im Jüngerschaftskreis sprechen wir über das, was wir beim persönlichen Bibelstudium entdeckt haben. Ohne Druck machen wir einander Mut, das Gelernte in der kommenden Woche einem Menschen zu erzählen. So lernen wir langsam wieder, über unseren Glauben zu sprechen. Im Gäste-Hauskreis wird vereinfacht, aber grundsätzlich nach dem gleichen Muster verfahren.

Auf Entdeckungsreise gehen

Nachdem wir das in unserer Familienandacht ausprobiert haben, stellten wir fest: Die Methode ist so einfach, dass sie ein Kind in wenigen Tagen lernen und die Gruppe selbst leiten kann. Gleichzeitig ist sie spannend, weil sie uns direkt zur Schrift führt, die von Jesus zeugt (Joh 5,39). Es muss nicht kompliziert sein, mit Menschen die Bibel zu lesen, es braucht keine theologische Ausbildung und keine Wohnzimmerpredigt. Wir dürfen einfach gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen und dabei erleben, wie uns Gottes Wort verändert und wiederbelebt.

Wer einmal ein Jünger war, kann niemals mehr damit zufrieden sein, „nur“ als Gemeindeglied zu leben. Es gibt kein größeres Glück auf dieser Erde, als einen Menschen zu Christus zu führen und zu erleben, wie er das Gleiche tut. Jesus hat ein Herz für die „Kinder des Friedens“ in meiner Stadt. Er sagt: „Geh hin!“, weil sie nicht von alleine kommen. Ich will gehen. Kommst du mit?

Unter www.jüngerschaftskurs.de/training finden Interessierte eine Videoserie zum Thema „Multiplizierende Jüngerschaft“.

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