Post aus Myanmar

Mission
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Patenschaften ermöglichen 142 Kindern den Schulbesuch

„Liebe Jeanette, zuerst möchte ich dir herzlich danken! Meine Familie hat große Schwierigkeiten und ich wusste nicht, ob es jemals möglich sein würde, bis zur 12. Klasse in die Schule zu gehen. Aber ich habe immer dafür gebetet und Gott hat mein Gebet erhört. Als ich erfuhr, dass ich einen Sponsor habe, sind mir sofort die Tränen gekommen. Vielen, vielen Dank, dass du mich unterstützt. Ich werde hart arbeiten und mein Bestes für Gott geben …“

Das Mädchen, das diesen Brief verfasst hat, heißt Laldinsangi. Sie geht in die 11. Klasse des Upper Myanmar Adventist Seminary (UMAS) – eine adventistische Schule in Kalaymyo, im Norden von Myanmar. Ursprünglich kommt sie aus dem Dorf Pyidawtha und hat dort bis zur 10. Klasse die Schule besucht. Höhere Klassenstufen können die adventistischen Schulen in den Dörfern nicht anbieten. Um die 11. und 12. Klasse abzuschließen, müssen die Kinder daher als Internatsschüler nach UMAS kommen. Doch die Schulgebühren sind für viele, die in großer Armut leben, unbezahlbar. Die meisten Eltern sind Tagelöhner, krank, verstorben oder arbeiten im Ausland. Die Familien wohnen in einfachen Holz- und Bambushütten – nicht selten ohne Strom und Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wenn möglich, gehen die älteren Kinder ins Ausland arbeiten und schicken Geld nach Hause, damit die Familie überleben kann. Trotzdem sind die Menschen reich – reich an Gastfreundschaft, Liebe, Familie, Glauben und Dankbarkeit!

Davon zeugen auch die unzähligen berührenden Briefe vieler Schülerinnen und Schüler an ihre Paten, die ich nach sechs Wochen in Myanmar mit nach Deutschland bringe – so wie der von Laldinsangi an ihre Patin Jeanette. Nach der Flutkatastrophe im Sommer 2015 (s. Ausgabe 1/2016) hat Gott viele Gebete erhört: der Verein „Arm of Help e.V.“ konnte gegründet werden. Seitdem unterstützen wir regelmäßig drei adventistische Schulen und vermitteln Patenschaften für diejenigen, die sich das Schulgeld nicht leisten können. Dabei spielt das Gebet eine zentrale Rolle, denn Gott ist derjenige, der für die Paten und die Mittel sorgt und Menschen zusammenführt. Da ist etwa eine Christin aus Ostdeutschland, die nach „Patenschaften“ im Internet suchte und auf uns gestoßen ist, oder mein aktiver Rentner-Celloschüler, der ein Hauskonzert bei sich organisiert und für Myanmar gesammelt hat. Gebet hat auch Melina, Sonja, Christian und mich zusammengeführt. Nach zwei weiteren Myanmar-Reisen, im Sommer 2016 und im Frühjahr 2017, flog ich diesen Sommer gemeinsam mit den beiden jungen Grundschullehrerinnen und dem angehenden Ingenieur aus Österreich nach Yangon. Myanmar ist eine andere Welt, aber ziemlich bald überwanden die drei den ersten Kulturschock und gewöhnten sich an die dortige Lebensrealität. Nach einem ereignisreichen Wochenende in Yangon ging es mit dem Bus weiter nach Kalaymyo, wo wir nach zwanzig Stunden Fahrt endlich ankamen und sehr herzlich begrüßt wurden. Für mich war es wie ein „nach Hause kommen“ und ein fröhliches Wiedersehen mit meinen Freunden.

Briefe und Steckbriefe

Wir wohnten in einem kleinen Haus neben der Gemeinde beim Schulcampus und beteten jeden Abend zusammen. Das gab uns Kraft für die täglichen Herausforderungen. Da Lehrerknappheit an der Schule herrscht, wurde schnell aus dem geplanten Schnuppertag der erste Unterrichtstag und Christian stand das erste Mal vor einer Schulklasse. Melina hatte noch nie eine Andacht gehalten und gab ihr Zeugnis vor 500 Schülern; eine Woche später predigte sie zusammen mit Sonja. Beim gemeinsamen Fußballspielen und einer Bergwanderung mit abenteuerlicher Flussdurchquerung schlossen wir mit den Schülern Freundschaften. Sonja und Melina kauften außerdem Materialien und brachten Farbe in die Klassenzimmer. Der Unterricht besteht zu neunzig Prozent aus Auswendiglernen und Frontalunterricht; daher versuchten wir vor allem, die Kreativität der Kinder anzuregen.

An einem anderen Tag gingen wir alle gemeinsam nach Pyidawtha und brachten der dortigen adventistischen Schule eine Kiste voller Wörterbücher sowie anderes Schulmaterial. Neben dem Unterrichten war ich mit der Übergabe der Briefe und Spenden sowie mit dem Erstellen und Aktualisieren der Steckbriefe von den bedürftigen Schülern beschäftigt. Während die anderen drei am Abend wieder nach Kalaymyo fuhren, blieb ich in Pyidawtha. Den ganzen Freitag lang und auch am Sabbat zwischen Morgen- und Abendgottesdienst ging ich mit der Schatzmeisterin von Hütte zu Hütte und besuchte die Familien der gesponserten Schüler. Dort erfragte ich die genaue Familiensituation, machte Bilder und betete für die Familien. Jede Familie hat ihre eigene Geschichte und Schicksalsschläge, die mich immer wieder berühren. Umso mehr inspiriert mich ihre Hingabe und Liebe zu Gott. Als ich einen Jungen fragte, was er später werden möchte, antwortete er: „Ich möchte wie du werden und anderen helfen!“

Rettung vor dem Aus

Meine Freundin Kym und ihr Mann sind Missionare unter Buddhisten in Kalaymyo. Durch Gesundheitsseminare und Kurse über biologische Landwirtschaft versuchen sie, den Menschen praktisch zu helfen und ihnen Gottes Liebe zu zeigen. Jeden Sonntag kommen die Nachbarskinder zum Englischunterricht, und einige lesen mit großem Interesse in der Bibel. Die beiden begleiteten mich nach Singgial, einem etwas abgelegenen Dorf. Der Ort erholt sich langsam von der Flutkatastrophe, und die Menschen versuchen wieder Reis anzubauen. Die adventistische Schule konnte durch Spenden renoviert werden, und unsere Ankunft wurde regelrecht gefeiert. Ohne die Hilfe von Arm of Help hätten wahrscheinlich beide Schulen – Pyidawtha und Singgial – schließen müssen. Daher ist die Dankbarkeit der Lehrer, Eltern und Schüler unglaublich groß.

Insgesamt können dank des Vereins 142 Kinder weiterhin zur Schule gehen. Schüler wie Kim Sang, dessen Vater an Tuberkulose erkrankt ist und der deswegen nach der Schule Motorräder repariert, um Geld zu verdienen. Oder Schüler wie John, der aus einem Dorf nahe der Grenze zu Indien kommt und die Schule abgebrochen hat, weil er keine Prüfungen am Sabbat schreiben wollte. An adventistischen Schulen bekommen die Schüler nicht nur Wissen vermittelt, sondern vor allem Werte. Sie lernen von einem liebenden Gott, der eine persönliche Beziehung zu uns haben möchte und der ihr Leben verändern kann.

Wir durften den Menschen in Myanmar dienen und ihnen ein Segen sein. Gleichzeitig haben wir so viel zurückbekommen und gelernt. Sonja schrieb mir neulich: „Meine große Familie hat mich so berührt! Egal wo wir waren, die Menschen boten uns ihr Bett an und schliefen selbst auf dem Boden. Sie hätten uns ihr letztes Reiskorn gegeben und schenkten uns ihre Liebe und Zeit.“

Weitere Informationen über „Arm of Help e.V.“ sowie mögliche Patenschaften finden Interessierte unter: www.arm-of-help.org

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