Zwischen Aussichtslosigkeit und Hoffnung

Leben
Zwischen Aussichtslosigkeit und Hoffnung

Wie die Michelsberg-Idee zu Gottes Sache wurde

„Ab heute wird sich unser Leben radikal verändern“, sagte mein Mann, als er mich an jenem Morgen anrief. Und in der Tat – rückblickend hatten diese Worte viel Gewicht! Er bat mich, eine Internetseite zu öffnen ... Es war genau die Antwort auf unsere monatelangen Gebete um Wegweisung für seine berufliche Zukunft. Doch wir verstanden zunächst nicht, was Gott mit uns vorhatte. Wir hatten eine Reihe von Gebetserfahrungen erlebt, die wir zunächst nicht einordnen konnten. Also beteten wir weiter, blieben gehorsam und nahmen Gott im Vertrauen buchstäblich ernst. Sprüche 3,5-6 (NLB) wurde zu unserem Lebensmotto: „Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Denke an ihn, was immer du tust, dann wird er dir den richtigen Weg zeigen.“

Aus Tagen, Wochen und Monaten wurden ganze zwölf Jahre, die wir mit ernstem Gebet und Warten verbrachten, ohne zu verstehen, warum die Lösung der Antwort noch nicht eingetroffen war. Wenn es Gottes Wille war, dass mein Mann Dieter seine beruflichen Fähigkeiten in der Selbständigkeit entfaltete, warum konnte er dann nach neun Jahren immer noch nicht das von Gott gezeigte Unternehmen erwerben? Wir versuchten unserem Dasein weiter einen Sinn zu geben: Mit Herz und viel Engagement setzten wir unsere Gaben für die Ortsgemeinde ein und unterstützten das Planungsteam der Abteilung Heimatmission der Baden-Württembergischen Vereinigung (BWV) bei den Vorbereitungen für den BW-Kongress.

Und Gott wirkte: In dieser Zeit – ohne es zu merken – wurden wir beide von Gott für zukünftige Aufgaben bestens vorbereitet. Auf der Suche nach Kongresshallen und Veranstaltungsorten für die BWV wurde mein Mann durch regelmäßige Messebesuche auf den Location-Markt aufmerksam. Durch verschiedene Anregungen und Impulse von engen Vertrauten festigte sich unser Gedanke, selbst einen Veranstaltungsort zu eröffnen, der auf die Bedürfnisse unserer Freikirche einging. Dieter wurde außerdem immer mehr bewusst, dass sein Herz nicht für irgendeine Firma, sondern für Gott schlug.

Mutig voran!

Infolge eines Gesprächs mit einem Glaubensbruder erfuhren wir durch dessen Ehefrau von einem Objekt in Bad Überkingen, das für unser Anliegen sehr geeignet schien. Sofort nahmen wir mit den Eigentümern Kontakt auf. Wir waren uns sicher: Wenn es Gottes Plan für uns war, die Freizeit- und Begegnungsstätte Michelsberg zu erwerben, würde er sich um alles Weitere kümmern. Es folgten wieder Tage des Wartens und ernsthaften Betens, bis wir schließlich in Verhandlungen treten konnten. Da die Eigentümer Christen waren, begrüßten sie unser Vorhaben und zeigten sich entgegenkommend. Nun sollte Gott für den Rest sorgen. Wir suchten nach Unterstützern für unser Projekt, und die Begeisterung vieler Geschwister war groß. Doch ohne ein Startkapital ist jede noch so gute Idee kaum realisierbar

Trotzdem wagte Dieter ein Verhandlungsgespräch mit dem Vorstand einer Großbank, der ihm trotz der momentanen Lage versicherte, dass eine Finanzierung bei Beschaffung des benötigten Kapitals sicher sei. Mein Mann entschied sich, drei Tage dafür zu fasten und noch ernsthafter zu beten. Und Gott wirkte: Nach einigen Tagen sorgte unser Herr auf unglaubliche Weise für das erforderliche Kapital!

Nun gingen wir erst recht mutig voran. Wir kündigten die Wohnung, meine Arbeit und waren mitten in den Umzugsvorbereitungen, als wir eine Nachricht von der Bank erhielten: Sie hätten zum genannten Termin nur die internen Formalitäten abgeschlossen und müssten trotz der erfüllten Voraussetzungen die Entscheidung einer Bürgschaftsbank hinzuziehen. Auf diese Nachricht hin wurden die Eigentümer des Verkaufsobjekts unsicher und verweigerten uns den geplanten Einzug. Wir lagerten unser Hab und Gut bei einem Speditionsunternehmen ein und fanden Unterkunft bei der Familie meines Mannes. In der Zwischenzeit wurde der Baden-Württembergischen Vereinigung im Zuge der Flüchtlingskrise eine angemietete Veranstaltungshalle gekündigt, und ein geplantes großes Symposium war gefährdet. Im beidseitigen Vertrauen auf Gott, dass er unser Vorhaben realisieren würde, boten wir der Vereinigung die Möglichkeit, das Symposium in der Freizeit- und Begegnungsstätte Michelsberg durchzuführen. Für uns gab es kein Zurück mehr! Wir gingen trotz allen Schwierigkeiten mit ernsthaftem Gebet voran, begleitet von den Fürbitten vieler Glaubensgeschwister!

Eine Herzensangelegenheit

Zwei Monate später, im Oktober 2015, durften wir für die Durchführung des ATS-Symposiums auf dem Michelsberg einziehen. In der Hoffnung auf eine Finanzierung im Dezember des gleichen Jahres blieben uns nun nur elf Tage, um ein stillgelegtes Areal zum Leben zu erwecken und es Symposium-tauglich herzurichten. 18.000 Quadratmeter bebaute Fläche und ca. hundert Gästezimmer machten das Vorhaben nicht einfacher. Mitten in den Vorbereitungen erhielten wir die Nachricht, dass die Bürgschaftsbank der Finanzierung nicht zugestimmt hatte. Es schien trotz aller Wunder aus zu sein ... Wir behielten die Nachricht jedoch erstmal für uns, um die wenigen begeisterten Helfer, die über ihre Kräfte hinaus alles gaben, nicht zu entmutigen. Gott schenkte Gelingen, und das Symposium wurde ein vielversprechender Anfang.

Die darauffolgende Zeit stellte eine ernste Glaubens- und Zerreißprobe für uns dar. Wir rangen mit Gott zwischen echten Wundern und Aussichtslosigkeit. Wir mussten viele Widerstände überwinden, waren erschöpft und niedergeschlagen und versuchten trotz allem das wunderbare Handeln Gottes nicht in Frage zu stellen oder aus den Augen zu verlieren. Selbst von den Eigentümern, die uns als Mieter duldeten, wurde uns nahegelegt, das Projekt zu beenden. Wir hatten kein Zuhause mehr und besaßen nur das Nötigste an Kleidung. Unsere Familie litt sehr darunter, am meisten unsere inzwischen sechs Jahre alte Tochter. Wohin sollten wir gehen? Der Gedanke, unser Vorhaben aufgeben zu müssen, war unerträglich. Wir merkten, dass dieses Projekt uns zu einer Herzensangelegenheit geworden war. Also waren wir entschieden, uns fest an Gott und seine großartigen Verheißungen zu klammern, standhaft zu bleiben und auf sein weiteres Handeln zu warten. Wir planten, als wären wir schon Eigentümer, wohlwissend, dass das, was Gott anfängt, er auch zu einem guten Ende führt.

Und wieder merkten wir, wie Gott wirkte: Wir vernahmen eine unglaubliche Verbundenheit vieler Geschwister, sogar ganzer Gemeinden, die uns im Gebet trugen. Wir erlebten ein großartiges Wir-Gefühl sowie Ermutigung und Unterstützung auf verschiedenste Weise. Selbst der Bürgermeister setzte sich für uns ein, und auch unsere säkularen Freunde bewunderten unseren Glauben und ermutigten uns regelmäßig.

Wie sollte es weitergehen? Auf der einen Seite füllte sich unser Terminkalender, auf der anderen Seite gab es wenig Hoffnung auf eine Finanzierung – ein monatelanges Hin und Her unter sehr begrenzten Voraussetzungen und fehlender Infrastruktur! Wir wollten es nicht bei einer Finanzierungsabsage belassen und versuchten es noch ein zweites, und dann noch ein drittes Mal. Und Gott wirkte erneut durch Menschen – Glaubensgeschwister, die in entscheidenden Phasen seinen Plan umsetzten. Nun standen wir jedoch vor einer anderen Herausforderung: Wir konnten zwar eine Preisoptimierung erzielen, aber der Betrag war immer noch zu hoch! Mein Mann fragte Gott im Gebet, welchen Preis er bei der Verhandlung mit der neuen Bank vorlegen sollte. Und Gott gab ihm den entsprechenden Preis zur Antwort. Würden die Eigentümer damit einverstanden sein? Würden sie uns noch einmal entgegenkommen? Dieter teilte ihnen die Antwort Gottes mit und auch die Tatsache, dass wir Gott dafür um Rat gefragt hatten. Sie wollten intern darüber abstimmen.

Im Vertrauen auf Gott

Eine Woche später stand der Termin für die Unterzeichnung der Finanzierungsverträge fest – doch wir hatten von den Eigentümern bisher keine Antwort erhalten und konnten sie auch nicht erreichen. Im festen Vertrauen fuhren wir zum Banktermin, ohne die Gewissheit zu haben, ob die Eigentümer unseren Vorschlag annehmen würden oder nicht. In allem, was wir bis dahin erlebt hatten, war Psalm 118,8 (NLB) zu unserem Leitsatz geworden: „Es ist besser, auf den Herrn zu vertrauen, als sein Vertrauen auf Menschen zu setzen.“ Zehn Minuten vor dem Banktermin hielten wir an, um nochmals zu beten. Im Anschluss an das Gebet vernahmen wir die erlösende Antwort der Eigentümer und unterzeichneten anschließend die Finanzierungsverträge. Nach über vierundzwanzig Monaten warten, hoffen, bangen, leiden und kämpfen waren wir nun endlich am Ziel angekommen!

Wir stellten fest, dass Gott überall seine Mitarbeiter hat, selbst im Finanz- und Bankwesen. In dieser langen Zeit begriffen wir zunehmend unsere Berufung und die vielfältigen Möglichkeiten, missionarisch zu wirken. Gott ermöglichte reich gesegnete Veranstaltungen wie etwa das J.O.S.U.A. Camp-Meeting, Kongresse (ATS, ASI, ENAD), unvergessliche Bibelstudientage, Freizeiten und vieles mehr. Einmal umarmte mich eine Frau aus einer anderen christlichen Gemeinschaft und sprach mit geschwisterlichen Worten des Segens ihre Bewunderung für unseren Dienst aus. Gastfreundschaft und Arbeit mit Menschen war schon immer unsere Stärke gewesen. Im Dienst für unsere Mitmenschen Gott zu bezeugen, ist ein großes Vorrecht und eine Chance, die wir uns zur Lebensaufgabe gemacht haben.

Gottes Zusage aus Jeremia 33,2-3 (Hfa) wurde in unserem Leben Wirklichkeit: „So spricht der Herr, der allmächtige Gott, der bewirkt, was er will und lenkt, was er geplant hat: Rufe zu mir, dann will ich dir antworten und dir große und geheimnisvolle Dinge zeigen, von denen du nichts weißt!“ Wir sind Gott aus tiefstem Herzen für seine Fürsorge und Treue dankbar. Er tut auch heute große Wunder, und es lohnt sich, in jeder Lebenslage standhaft und geduldig zu bleiben. Nun stehen wir vor großen Herausforderungen und bitten Gott um Weisheit und Führung bei den vielen Aufgaben, die sich uns stellen. Auf die Frage hin „Was haben sie [die Gäste] bei dir gesehen?“ (2. Kön. 20,15.16) möchten wir gerne antworten können: „Die Liebe und den Charakter Jesu durch unseren Dienst.“

Weitere Informationen zum Begegnungs- und Tagungszentrum Michelsberg erhalten Interessierte hier:

www.bt-michelsberg.de

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