Auf der Suche nach dem Kick

Lebensgeschichte
Auf der Suche nach dem Kick

Vom Kampfsportler zum Missionsschüler

Da meine Mutter Baptistin ist, hatte ich das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der es dazugehörte, Jesus nachzufolgen. Mit etwa 14 Jahren fand ich es jedoch zunehmend langweilig – und auch nicht zeitgemäß –, in der Bibel zu lesen, an Jesus zu glauben und Lobpreislieder zu singen. Es passte nicht zu dem, was die Welt zu bieten hatte. Deshalb distanzierte ich mich Stück für Stück immer mehr von der Gemeinde meiner Mutter.

Ich vertrieb mir die Zeit mit Computerspielen ... und je mehr ich mich auf die weltlichen Vergnügungen einließ, desto mehr entfernte ich mich von dem Gedanken, überhaupt noch in der Bibel zu lesen oder in den Gottesdienst zu gehen. Ich merkte, wie ich sogar immer aggressiver wurde, wenn es um gemeinsames Bibellesen oder Singen ging. Mit Christen Gemeinschaft zu haben, langweilte mich fast zu Tode – ja, es widerte mich regelrecht an. Schließlich konnte ich nicht verstehen, warum sie versuchten, ihr Leben nach der Bibel auszurichten.

Die Stimme im Inneren

In dieser Zeit fand ich zunehmend Gefallen am Tanzen sowie am Kampfsport. Ich ging zum Boxen und praktizierte Ju-Jutsu, eine klassische Kampfkunst gepaart mit Selbstverteidigungstechniken. Außerdem war ich viel mit Freunden unterwegs, trank mit zunehmendem Alter immer häufiger Alkohol und zielte darauf ab, kurzweilige Beziehungen mit Mädchen zu führen. Das war der Sinn meines Lebens. Mit 18 war ich volljährig und konnte endlich tun und lassen, was ich wollte. So stürzte ich mich in die Partywelt, die mich immer weiter von Gott wegzog. Ich strotzte nur so vor Hochmut, Hass, Gewalt und Lieblosigkeit. In dieser Zeit brach ich vielen Mädchen das Herz, stritt mich oft mit meiner Mutter und meinem Bruder und wurde dabei nicht selten handgreiflich.

Ich lebte gedankenlos vor mich hin; selbst der Tod war für mich nicht real. Er schien weit weg, denn ich war sicher, er würde mich nicht treffen. Nichtsdestotrotz fand ich in allem, was ich tat und was mein Leben ausmachte, keinen Frieden: Freunde, Sport, Spaß – nichts von all dem machte mich auf Dauer glücklich. Ich probierte vieles aus und suchte nach dem Kick, der mich zufriedenstellen sollte, aber das Glücksgefühl hielt nur einen Moment lang an. 

Kurz vor meinem 19. Geburtstag machte ich jedoch eine Erfahrung, die meinem Leben eine andere Richtung geben sollte. Ich lag in meinem Bett und starrte die Wand an. Als mein Blick auf die verstaubte Bibel fiel, die meine Mutter auf meinen Nachttisch gelegt hatte, schien es, als ob jemand mit mir redete. Die Stimme in meinem Inneren war so intensiv und durchdringend, dass ich mich ihr nicht entziehen konnte. Es war, als würde jemand nah an meinem Ohr mit mir sprechen. Die Stimme fragte mich, warum ich nicht in der Bibel lesen und nichts mit Gott zu tun haben wollte – und sie machte mich auf meine Sünden aufmerksam. Das wühlte mich so auf, dass ich zunächst keine Ruhe fand und meine Gedanken auf andere Dinge richten wollte. Doch von diesem Tag an machte mich die Stimme in meinem Inneren immer wieder auf mein gottloses Leben aufmerksam, sodass mir sogar die Freude an vielem, was mir bisher Spaß gemacht hatte, verging.

Nur kurze Zeit nach diesen Ereignissen verstarb mein Großvater. Als ich an seinem Totenbett stand, erschien mir der Tod so gegenwärtig wie nie zuvor. Das erste Mal war ich innerlich ergriffen. Ich fing an mich zu fragen, was mit mir passieren würde, wenn ich plötzlich starb und mein bisheriges Leben samt Spaß und Freunden zurückließ. Es beschäftigte mich, ob es doch mehr gab als das, was ich wahrnehmen und sehen konnte. Mir wurde klar, dass das Leben hier und heute vergänglich ist. Ab diesem Moment gewann Gott wieder meine Aufmerksamkeit, auch wenn ich nicht wusste, wer er tatsächlich war.

Auf Übergabe folgt Heiligung

Ohne dass ich meiner Mutter von meiner Suche nach dem „wahren Gott“ erzählte, zeigte sie mir eines Tages ein Video, in dem es um die Wiederkunft Jesu ging. Es thematisierte die Ereignisse der letzten Zeit, biblische Prophezeiungen und was mit denen geschehen würde, die glauben – aber auch denen, die nicht glauben. Als ich das Video anschaute, spürte ich, wie es mich innerlich erschütterte. Mein verhärtetes Herz ging auf, als würden viele verrostete Schlösser aufspringen. Ich erkannte, dass wir kurz vor Jesu Wiederkunft stehen. Als mir meine Schuld bewusst wurde, legte sie sich wie eine schwere Last auf mich: Ich gehörte zu denen, die gegen den Sohn Gottes rebellierten und eines Tages gerichtet werden würden!

Im nächsten Moment schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ich müsse mich bekehren. Doch mir war klar, dass eine Umkehr aus Angst und ohne das Bedürfnis, mit Jesus leben zu wollen, keinen Sinn machte. Also entschied ich, mich noch weiter mit Gott und geistlichen Themen zu beschäftigen. Ich verglich den muslimischen Glauben mit dem katholischen und dem evangelischen und versuchte einen Blick hinter die Kulissen der Musik- und Filmindustrie zu werfen. In dieser Zeit hörte ich über Predigten auf Youtube das erste Mal vom Sabbat und entschied mich, ihn zu halten. Später hörte ich ein Interview mit Roger Morneau aus dem Jahr 1980 und wurde so auf die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten aufmerksam. 

Der Gedanke, dass ich Vergebung empfangen konnte, war befreiend und erfüllte mein Herz mit Frieden. Aber Fakt war, dass ich mich noch nicht an Jesus gewendet und um Vergebung gebeten hatte. Diese Tatsache erdrückte mich, und ein paar Wochen später konnte ich nicht anders, als Jesus mein Leben zu übergeben. So fand im Sommer 2014 in der Gemeinde Kassel meine Taufe statt. Doch diese Entscheidung nahm der Gegenspieler nicht einfach so hin: Mit allen Mitteln versuchte er, mich in alte Gewohnheiten zu verwickeln und mich davon abzuhalten, mit Jesus zu leben. Immer wieder zog es mich in die Welt zurück, wo es doch viel schöner und lustiger und nicht so steif und festgefahren schien wie mit Jesus. Ich erkannte immer wieder Neues, je mehr ich mich mit Gottes Wort beschäftigte, doch äußerlich wurde die Veränderung nur sehr langsam sichtbar. Schließlich wurde mir klar, dass das Leben mit Gott immer ein Prozess der Heiligung bleiben wird.

Wie Paulus in Philipper 3,7-9 (Hfa) kann ich heute sagen: „(...) Seit ich Christus kenne, ist für mich alles wertlos, was ich früher für so wichtig gehalten habe (...) Ja, alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloß Christus habe.“ Das Leben, welches ich zuvor führte, verachte ich jetzt. An den Dingen, an denen ich früher Vergnügen hatte, ist mir die Lust vergangen. Die Filme und Musik voller Okkultismus und Perversion, die ich liebte, widern mich jetzt an. Jesus hat mein Denken verändert. Ich liebe die Bibel und ich liebe es, Gemeinschaft mit meinen Glaubensgeschwistern zu haben. Deshalb bin ich auf die Josia-Missionsschule gekommen. Mein Wunsch ist es, dass alle von diesem wunderbaren Gott hören und dem, was er in meinem Leben getan hat.

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