Wovon träumst du?

Flüchtlinge
Wovon träumst du?

Ein Zwischenruf zum Thema „Flüchtlinge in Deutschland“

Träumst du davon, die Welt zu entdecken, ein eigenes Haus zu haben; finanziell unabhängig zu sein; echte Freiheit zu erleben; gute Bildung zu haben? Oder träumst du einfach nur von echter Liebe, von Anerkennung, einer eigenen kleinen, gut funktionierenden Familie?

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber kennst du das? Auf einmal schleicht sich etwas in diese schöne Traumwelt ein. Plötzlich fühle ich mich irritiert. Ich sehe Bilder, Nachrichten, Facebook-Posts von Menschen – Menschen, die Stacheldrahtzäune überqueren, Menschen, die in kleinen Schlauchbooten übers Meer kommen: völlig ausgezehrt von der hinter ihnen liegenden Odyssee, Menschen, die irgendwo im Nirgendwo ankommen. Weinende Kinder, verzweifelte und erschöpfte Gesichter.

Es sind Bilder, die mir Angst machen, die mich betroffen machen. Aber was haben sie mit mir zu tun? Wie soll ich denn da helfen? Mit diesem Gedanken ist mein Gewissen wieder für eine kurze Zeit beruhigt, und ich kann meinen eigenen Träumen nachhängen. All das interessiert mich nur solange, wie ich die Bilder sehe, denn noch kann ich den Fernseher, den Computer, mein iPhone oder mein iPad ausstellen. Und dann ist es wieder leise. Ich träume vom Reisen in ferne Länder, von Traumstränden …

Doch dann sind da wieder diese Bilder … Was sind das für Menschen, in deren Augen ich da sehe? Sind das Augen von Menschen, die unseren Staat ausnutzen wollen? Kommen sie hierher, um sich ein Luxusleben schenken zu lassen? Oder haben sie gar terroristische Ziele? Oder wollen sie unseren Staat islamisieren? Ich weiß es nicht.

Sind es vielleicht Menschen, die mit nichts anderem als ihrer Geschichte kommen, um Zukunft und Hoffnung in einem freien Land zu finden? Menschen, die sich nach einem Leben in Frieden und Sicherheit sehnen? Menschen, die einfach nur Leben wollen? Ich weiß es nicht. Aber eins weiß ich, dass mich diese Konfrontation auf meinem Bildschirm nicht weiter kalt lassen darf. Dass die Bilder, die mich an meinem Laptop schon fast anschreien, nicht gegen meine Wände prallen dürfen, sondern direkt in mein Herz müssen!

Denn plötzlich sind diese Menschen, die mich eben noch auf dem Bildschirm angeschaut haben, nicht mehr weit weg, sondern gerade einmal vier Kilometer Luftlinie entfernt. Hunderte Menschen – und es sollen noch mehr kommen.

Ein Gedanke bewegt mich: Ich gehe auf Missionsreisen, reise in ferne Länder, um dort zu helfen, Kleidung, Spielsachen, Gesundheitsartikel, Energie, Kraft und Geld zu geben. Und dann, nach einem Monat oder so, fahre ich wieder nach Hause. Und dann? Da geht mein Leben weiter. Es geht mir gut! Ich habe alles: Sicherheit, Menschen, denen ich vertrauen kann, eine tolle Familie, Gesundheit, gute Arbeit, einen vollen Kühlschrank. Und die Probleme der Menschen in den fernen Ländern sind weit weg. Ich habe meinen Dienst getan. So war es bisher.

Aber jetzt ist es anders. Jetzt ist das Missionsgebiet nicht mehr irgendwo in einem fernen Land. Es ist direkt hier, bei mir, vor meiner Haustür. Und jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: 1. Ich ignoriere mein Gewissen und gebe meine Verantwortung ab, z. B. an den Staat. Ich kann mich über die Flüchtlingspolitik ärgern, über Frau Merkel. Das und noch mehr kann ich tun, und keiner kann mich verurteilen.

Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit: 2. Ich übernehme Verantwortung. Ich verstehe die Bilder, die Schreie, die Augen dieser Menschen als einen Ruf an mich persönlich – versuche, das Beste aus der Situation zu machen und Gottes Perspektive und seinen Ruf an mich darin zu entdecken.

Als Josia-Missionsschule haben wir uns für die zweite Variante entschieden und uns die Worte Jesu aus Matthäus 25,35-36 zu Herzen genommen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“

Was tat Jesus, als er hier auf Erden war? Er half; er nahm an; er heilte; er liebte – egal, welche Motive die Menschen hatten, die zu ihm kamen. Genau das wollen wir auch.

Seit Anfang dieses Schuljahres haben wir in Kooperation mit der Stadt Isny angefangen, aktiv in der Flüchtlingshilfe mitzuhelfen. Viele Menschen haben sich zusammengefunden – aller Nationen, aller Glaubensrichtungen –, um ehrenamtlich für die Flüchtlinge aktiv zu sein. Gott hat uns Türen geöffnet, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Wir dürfen sogar als Sprecher der Helfergruppen fungieren und aktiv mitgestalten. Unsere Vision ist, zu helfen, die Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften aufzubauen, die Menschen hinter den Bildern kennenzulernen, zuzuhören, da zu sein. Und Gott segnet unsere Bemühungen.

Wie sieht es mit dir aus? Bist auch du bereit, diesen Menschen zu helfen? Viele kommen aus Ländern, die für das Evangelium verschlossen sind. In ihrer Heimat hatten sie kaum eine Möglichkeit, eine Bibel in die Hand zu bekommen und von Jesus Christus zu hören. Aber jetzt sind sie zu uns gekommen. Jesus gibt uns eine besondere Chance. So manch einer, der von uns Hilfe und einfach nur Mitmenschlichkeit erlebt, kann durch unsere gelebte Liebe auch die Liebe Jesu Christi zu ihm entdecken. Bist du bereit, den Menschen in Not diese Liebe zu geben? (Wenn ja, dann frage bei deiner Stadt nach oder der Vereini- gung, z. B. unter 0711-16290-0; s. auch „Gemeinsam für Flüchtlinge“: http://www.adventisten.de/)

Natürlich können wir nur begrenzt helfen. Auch Jesus half nicht immer allen Menschen. Das Evangelium zu verkündigen, blieb bei ihm erste Priorität (vgl. Mark. 1,33-39). Auch brauchen wir selbst Ruhepausen. Jesus hatte gezielt nach Zeiten gesucht, in denen sich seine Nachfolger erholen konnten (vgl. Mark. 6,30-31). Aber kann das als Entschuldigung dafür dienen, gar nichts zu tun? Lasst uns nicht nur davon träumen, ein Segen für andere Menschen zu sein, sondern lasst uns gemeinsam anpacken, um dann zu erleben, wie Gott durch uns Träume von gelebter Liebe wahr werden lässt.

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