Über den Gipfel hinaus

Lebensgeschichte
Über den Gipfel hinaus

Ein lebensveränderndes Versprechen

In unserem kleinen katholisch geprägten Gebirgstal erzählte man sich die Geschichte eines Soldaten, der versprach, Gott zu Ehren eine Kapelle zu bauen, falls er den Krieg überlebt. Diese Begebenheit bewegte mich schon als Kind, denn der Soldat überlebte tatsächlich und hielt sein Versprechen. So gab auch ich als treuer Ministrant Gott mein Wort, ihm eines Tages eine Kapelle bauen zu lassen – wenn ich erwachsen wäre, viel Geld hätte und es mir gut ginge.

Mit der Zeit geriet dieses Versprechen allerdings in Vergessenheit. Stattdessen wurde ich begeisterter Seilbahningenieur und liebte meinen Beruf inmitten von Bergen und Technik. Nach mehr als zwölf Jahren kündigte ich jedoch, bedingt durch Mobbing, meine Anstellung und geriet in ein emotionales Tief. Durch diverse weniger gut bezahlte Jobs musste nun „der Herr Ingenieur“ lernen, sich über Wasser zu halten. Das war ziemlich demütigend für mich ... Da kam mir eines Tages die Idee, es könnte meine Psyche stärken, wenn ich mich mehr für andere Menschen einsetzte. So wurde ich Rettungssanitäter und landete bei der Bergwacht. Gleichzeitig erlernte ich bei einem älteren Herrn aus unserem Gebirgstal diverse Wunderheilmethoden, um meinen Mitmenschen durch Handauflegung helfen zu können. Meiner Psyche ging es wieder besser und ich glaubte, nun meinen neuen Lebens- bzw. Berufsweg gefunden zu haben.

Eine Kapelle mit Pizzaofen


Die Jahre vergingen und einer meiner Schulfreunde wanderte nach Umbrien in Mittelitalien aus. Auf seinem Bauernhof wollte er eine Kapelle errichten und lud mich ein, ihm dabei zu helfen. Allerdings erklärte er, dass es in der Kapelle weder Glocken noch Bilder geben sollte – dafür aber einen Pizzaofen an der Außenwand. Für mein religiöses Empfinden war dieses Vorhaben absolut gotteslästerlich ... und ich protestierte vehement dagegen! In diesem Augenblick erinnerte mich Gott sehr klar an mein über 25 Jahre zurückliegendes Versprechen, ihm eine Kapelle zu bauen. Zunächst wehrte ich mich auch gegen diesen Gedanken. Doch ich vernahm Gottes Stimme immer deutlicher: „Du hast es mir versprochen, also baue mit!“ Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu fügen, was – wie sich herausstellte – den weiteren Verlauf meines Lebens prägen sollte.

Es war im Jahr 1993, als es mit dem Kapellenbau losging und ein Trupp Helfer aus Österreich und Süddeutschland anreiste. „Äußerst seltsame Leute“ – empfand ich als Sohn eines Metzgers und überzeugter Katholik. Sie aßen nur „Sägemehlwürste“ (so nannte ich ihre mir unbekannten Sojaprodukte) und tranken keinen Schluck vom guten italienischen Wein, sondern stattdessen Wasser. Sie beteten morgens, mittags und abends und schufteten von früh bis spät. Außerdem hielten sie den Sabbat, nicht den Sonntag, als Ruhetag, nannten sich Adventisten und behaupteten, all das stünde so im Wort Gottes, der Bibel.

Als guter Ministrant erinnerte ich mich daran, dass der Herr Pfarrer während der Messe auch immer aus dem Wort Gottes vorgelesen hatte – aber an diese biblischen Prinzipien konnte ich mich nicht entsinnen. Zudem wusste ich aus eigener Erfahrung, dass ich ihm beim Wein immer deutlich mehr hatte nachschenken müssen als beim Wasser ...

Die Leute vom Bautrupp waren zwar alle sehr freundlich zu mir und zeigten ihre Wertschätzung in Bezug auf meinen beruflichen Einsatz für meine Mitmenschen als Sanitäter und Bergretter. Doch meinen Heilungsdienst lehnten sie ab und behaupteten noch dazu, dieser sei vom Teufel! All meinen guten Einwänden gegenüber schienen sie völlig immun, deshalb wuchs von Tag zu Tag meine Skepsis gegen sie. Letztlich drückten sie mir ein Buch mit dem Titel „Zauber des Aberglaubens“ in die Hand, und ich versprach, es zu lesen. 

Dennoch beschlich mich immer mehr die Angst, dass mein alter Schulfreund im Begriff war, in eine Sekte hineinzugeraten. So kniete ich eines Abends alleine auf dem frischen Betonboden der neuen Kapelle nieder und bat Gott, er möge meinen Freund und mich bewahren. Nach dem Gebet kam mir der Gedanke: „Kauf dir eine Bibel, lies darin und beweise ihnen, dass sie unrecht haben!“ Keine schlechte Idee, dachte ich mir, und studierte wieder zu Hause zunächst das Buch Zauber des Aberglaubens. Gott öffnete mir die Augen für meinen vermeintlich harmlosen Heilungsdienst, den ich daraufhin sofort beendete.

Ergriffen von Gottes Wort


Wenn mir auch in Italien die Überzeugungen „dieser Adventisten“ sehr suspekt waren, so war ich doch immer tief ergriffen, als sie aus ihrer Bibel etwas vorlasen und es mir erklärten. Ich spürte, dass Gott zu mir sprach. Mein Hunger nach Gottes Wort wuchs, doch so viel ich mittlerweile in meiner neu gekauften Bibel las – ich verstand nichts! Was sollte ich tun?

Wieder betete ich um Schutz und Führung und besuchte schließlich erstmals den Gottesdienst der Adventgemeinde in Bregenz. Sofort war ich wieder von Gottes Wort bewegt. Meine „Sektenangst“ nahm allmählich ab, ich erhielt die ersten Bibelstunden und besuchte regelmäßig einen Hauskreis. Mein Verlangen, Gottes Wort zu verstehen, wurde dabei immer größer. Deshalb nahm ich an etlichen Seminaren teil und fuhr zu den jährlichen Kurzbibelschulen nach Bogenhofen. Drei Jahre lang arbeitete Gott an meinem Herzen, bis ich 1997 in Bregenz getauft wurde.

Nun bekam ich plötzlich wieder die besten Angebote, um meinen früheren Berufen nachzugehen. Doch mein nach wie vor ungestillter Hunger führte mich im Herbst 1998 zum ersten Bibelkundejahr nach Bogenhofen. Aus einem wurden vier und letztlich schloss ich 2003 im fünften Jahr die theologische Ausbildung ab. Ich bekam eine Empfehlung als Pastor, wollte aber keiner werden. Was sollte ich also tun?

Erneut betete ich intensiv um Führung und Gott berief mich in die Buchevangelisation. Das war jedoch „das Letzte“, was ich machen wollte (ist eine eigene Geschichte!). Ich begann trotzdem diese Tätigkeit, die drei Jahre andauern sollte und mich Demut lehrte. 2007 berief mich Gott schließlich in den Pastorendienst in Österreich und seit 2015 arbeite ich als Pastor im deutschen Bodenseeraum.

Früher, als Seilbahningenieur, war es meine Aufgabe, Menschen möglichst hoch hinauf, bis zum Gipfel, zu befördern. Heute liegt das himmlische Ziel weitaus höher! Mit Gott zusammenzuarbeiten und zu erleben, wie er Menschen verändert, erfüllt mich mit Freude und zeigt mir immer wieder aufs Neue: Wer Gott an seiner Seite hat, den kann keiner überwinden.

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