Bin ich gerettet?

Erlösung
Bin ich gerettet?

Über Glaube, Sünde und Erlösungsgewissheit

„Bin ich gerettet?” – Diese Frage stellt sich jeder Gläubige sicherlich irgendwann in seinem Glaubensleben. Bei manchem kommt sie vielleicht sogar häufiger hoch. Aber ist diese Frage tatsächlich so einfach zu beantworten? Als Adventisten glauben wir an die fortdauernde Bedeutung der Zehn Gebote. Während wir grundsätzlich glauben, dass unsere Erlösung auf Jesu Verdienst und seinem stellvertretenden Tod beruht, sind wir uns doch immer wieder unsicher, inwieweit unser Gehorsam gegenüber den Geboten unsere Erlösung beeinflusst. Gekoppelt mit der Furcht, dass ich in meinem Glaubensleben vielleicht nicht genug leiste, kann die Frage nach Erlösungsgewissheit den Glauben zu einer Plagerei machen. In welchem Zusammenhang stehen also Glaube und Werke, Gnade und Gesetz? Kann ich mir meiner Erlösung absolut gewiss sein, bevor Jesus wiederkommt? Oder schafft mein Gehorsam gegenüber den Geboten eine Gewissheit der Erlösung, die dann aber doch irgendwie auf meiner Leistung beruht und nicht auf dem, was Jesus getan hat? In meinem letzten Artikel („Sündlos vor der Wiederkunft?“, BWgung 5/2017) zeigte ich auf, wie die Bibel und die Schriften Ellen Whites Sünde als Selbstsucht beschreiben und Vollkommenheit als tiefe Nächstenliebe – eine Liebe, die wir nicht aus uns selbst hervorbringen können. In diesem Artikel möchte ich einige dieser Aspekte weiterführen und konkret auf die Frage der Erlösungsgewissheit sowie unser Wachstum im Glauben eingehen.1

Ist Erlösungsgewissheit möglich?

Die Bibel beschreibt Erlösungsgewissheit als das innere Zeugnis des Heiligen Geistes, dass ich gegenwärtig durch Christus erlöst bin (Rö 8,16; Gal 4,6). Gewissheit und Erlösung lässt sich jedoch nicht gleichsetzen. Man kann errettet werden, ohne Gewissheit darüber zu haben (Rö 2,11-16), und man kann glauben, erlöst zu sein, ohne wirklich erlöst zu sein (Mt 7,21-23). Es gibt zahlreiche Bibeltexte, die über Erlösungsgewissheit sprechen (z.B. Jo 3,16; 6,37; 1Jo 1,9; 5,11; 2Pt 1,1-11; Lk 15,20; 1Tim 1,15; 2,4; Jes 1,18-20; 53,4-6.11.12; 55,6.7; Jer 31,3; Hes 36,26.27). Die Bibel macht zudem deutlich, dass echte biblische Erlösungsgewissheit ein wesentlicher Bestandteil des normalen christlichen Lebens ist (Lk 10,20).

Ellen White betonte, dass unsere Erlösung und Erlösungsgewissheit sich auf Gottes unveränderliche Liebe (1Jo 4,19) sowie seine unerschütterliche Absicht und Initiative gründen, all diejenigen zu retten (Rö 5,8-10), welche die angebotene Erlösung durch Leben, Tod, Auferstehung und hohepriesterliche Vermittlung Jesu annehmen.2 Wenn er uns so sehr liebte, dass er für uns starb, als wir noch seine Feinde waren – wie viel mehr wird er alles Nötige tun, um uns zu retten, da wir nun seine Freunde geworden sind (Rö 5,10.19.20)? Ellen White schrieb daher: „So bereit und so eifrig ist das Herz des Erlösers, uns als Glieder der Familie Gottes willkommen zu heißen, dass er in die ersten Worte, die wir verwenden sollen, wenn wir uns Gott nähern, die Gewissheit unserer göttlichen Beziehung hineinlegt – Unser Vater. Hier ist die Ankündigung dieser wunderbaren Wahrheit, so voller Ermutigung und Trost, dass Gott uns so liebt, wie er seinen Sohn liebt“ (Jo 17,23).3

Aus Ellen Whites Sicht beinhaltete Erlösungsgewissheit drei wesentliche Elemente: (1) „Rechtfertigung durch den Glauben an das versöhnende Blut Christi“ und (2) „die erneuernde Kraft des Heiligen Geistes an unserem Herzen“, (3) welche „Frucht in einem Leben hervorbringt, das sich nach dem Vorbild Christi richtet.“4 Die meisten Missverständnisse leiten sich aus einem falschen Verständnis dieser Elemente und ihrer Beziehung zueinander ab.

Die Grundlage unserer Erlösungsgewissheit

Die Bibel macht wiederholt deutlich, dass die wesentliche und objektive Grundlage für unsere Erlösungsgewissheit immer und nur die Rechtfertigung durch das Werk Christi ist, das wir durch Glauben allein annehmen (Eph 2,4-10; Rö 3,23.24; 4,16; 5,1; 6,23; 8,1; 2Kor 5,14-21; Gal 2,16.21; Jo 1,29; 1Jo 2,2; 1Tim 4,10; Tit 2,11).

Ellen White betonte, dass sich „die Segnungen des neuen Bundes völlig auf Barmherzigkeit in der Vergebung von Ungerechtigkeit und Sünden gründet.“ „Alle, die ihre Herzen demütigen und ihre Sünden bekennen, werden Barmherzigkeit und Gnade und Gewissheit finden.“5 Wer zu Jesus kommt, muss „glauben, dass er ihn allein durch seine Gnade rettet. [...] Durch Glauben empfangen wir die Gnade Gottes; aber unser Glaube ist nicht unser Erlöser. Unser Glaube verdient nichts. Er ist die Hand, mit der wir Christus festhalten und seine Verdienste, das Heilmittel für die Sünde, ergreifen. Und wir können nicht einmal bereuen ohne die Hilfe des Geistes Gottes. [Apg 5,31 zitiert] Reue kommt genauso von Christus wie Vergebung.“6 Für Ellen White war „Glaube“ aber nicht einfach nur ein intellektueller Glaube an die Tatsachen des Evangeliums, sondern auch ein Vertrauen auf den persönlichen Charakter Gottes und Christi, das zu einer freiwilligen Hingabe des Willens an Gott führt.

Ellen White warnte vor falscher Sicherheit, aber sie wies auch auf echte Gewissheit hin, die jeder Gläubige haben sollte. Sie schrieb: „Jesus hat mich gerettet, obwohl ich ihm nichts vorweisen konnte.“7 Und weiter: Es sei „unerlässlich [...] zu glauben, dass du gerettet bist.“8 Wer an Jesus glaubt, „muss nicht sagen: Ich weiß nicht, ob ich gerettet bin.“9 Wer seine Sünde bereut, kann „den Segen Gottes schon jetzt beanspruchen.“10 Wer sich mit lebendigem Glauben an Jesus hängt, kann sich „so sicher [fühlen], als wäre er in der Stadt Gottes.“11

Die fortdauernde Erfahrung der Erlösungsgewissheit

Wenn Christus im Glauben angenommen wird, schafft der Heilige Geist neues Leben im Herzen (Rö 6,4.11-14; 8,9-11; Gal 2,20.21; Eph 2,5.6; Kol 1,27; 3,1-10). Mit diesem „neuen Leben in der Seele“ beginnt bereits „das ewige Leben“.12 Dieser Aspekt unterscheidet sich deutlich von der Idee, dass wir nur einmal glauben müssen, damit uns die ewige Erlösung sicher ist. „Wir sollten unsere Erlösung nicht auf eine bloße Annahme stützen. Wir müssen ganz gewiss wissen, dass Christus in uns geformt wird, die Hoffnung der Herrlichkeit. Wir müssen für uns selbst wissen, dass der Geist Gottes in unserem Herzen verweilt und wir Gemeinschaft mit Gott haben können. Wenn er dann schnell zu uns kommt, wenn unser Leben aus irgendeinem Grund enden sollte, sind wir bereit unserem Gott zu begegnen.“13 Dieses Konzept des fortdauernden „Lebens in der Seele“ zeigt den Unterschied zwischen jenen, die lediglich einen intellektuellen Glauben an Christus bekennen und denen, die ihn kennen und mit ihm im Glauben leben.

Früchte des Gehorsams und des liebenden Dienstes

Das Neue Testament spricht ferner davon, dass die Früchte der Erlösung sich nach außen hin durch Gehorsam und liebenden Dienst zeigen (Jo 15,1-8; Gal 5,22.23; Kol 3,1-11). „Jene, die mit Gott verbunden sind, sind Kanäle für die Kraft des Heiligen Geistes“ und „das innere Leben der Seele wird sich in ihrem äußeren Verhalten zeigen.“14 Die dankbare Liebe zu Gott, die sich in Gehorsam und Dienst zeigt, ist aber in keiner Weise die Wurzel oder Grundlage der Erlösung, sondern sie ist der sichtbare Beweis für neues Leben in der Seele. Wo es keinerlei Veränderung im Leben eines bekennenden Christen gibt, scheint es auch kein göttliches Leben im Herzen dieser Person zu geben.15 Andererseits mag jemand, der die Person nicht kennt, wie die Pharisäer zur Zeit Jesu meinen, dass diese Person unbekehrt sei, wogegen andere, die die Person kennen, durchaus eine sichtbare Veränderung im Leben der Person beobachtet haben.

Die positiven Veränderungen, die wir im Leben eines Menschen beobachten, können auch als Heiligung oder Wachstum in der Vollkommenheit betrachtet werden. Die Bibel spricht davon, dass wir den Heiligen Geist am Anfang unseres Glaubenslebens empfangen und zu diesem Zeitpunkt mit dem Heiligen Geist versiegelt werden (Eph 1,13). Durch den Heiligen Geist wird Liebe in unsere Herzen ausgegossen (Rö 5,5). Durch die Liebe zum Nächsten wird das Gesetz Gottes erfüllt (Rö 13,8-10; Mt 22,39.40; Gal 5,14). Der Apostel Paulus betont sogar, dass selbst die größten Werke für Gott nichts wert sind, wenn sie nicht in Liebe zum Nächsten gewirkt sind (1Kor 13,1-3; 16,14; Gal 5,6). Diese Liebe ist geduldig und freundlich, sie prahlt nicht, ist nicht arrogant, grob, besteht nicht auf den eigenen Weg, regt sich nicht leicht auf, hegt keine Rache, freut sich nicht am Bösen, freut sich an der Wahrheit, usw. (1Kor 13,4-13). Diese Liebe entspringt einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben (1Tim 1,5). Sie zeigt sich im Dienst am Anderen (Gal 5,13), folgt letztlich dem Vorbild Christi, der sein Leben für uns gegeben hat (Eph 5,2), und führt zu Harmonie und Einheit (Kol 3,14). Wir können diese Liebe jedoch nicht aus uns hervorbringen, sondern sie kann nur durch den Heiligen Geist gewirkt werden. Die Frucht des Geistes besteht in Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Gal 5,16-23). Dies ist allerdings kein einmaliges Ereignis, sondern ein Wachstum, das in unserem Leben allmählich vor sich geht (1Thess 4,9-12).

Wie steht es jedoch um meine Erlösungsgewissheit, wenn ich sündige? Der Apostel Johannes schrieb seinen ersten Brief, damit seine Leser nicht sündigten. Im gleichen Atemzug fügte er hinzu: „und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten“ (1Jo 2,1). Ellen White schrieb diese ermutigenden Worte: „Es gibt jene, die Christi vergebende Liebe kennen und sich wirklich wünschen, Gottes Kinder zu sein, aber sie merken, dass ihr Charakter unvollkommen und ihr Leben fehlerhaft ist, und sie soweit sind anzuzweifeln, ob ihr Herz vom Heiligen Geist erneuert wurde. Solchen möchte ich sagen: Gebt euch nicht der Verzweiflung hin. Wir müssen uns oft wegen unserer Unzulänglichkeiten und Fehler niederbeugen und vor den Füßen Jesu weinen, aber wir brauchen nicht entmutigt sein. Selbst wenn uns der Feind überwindet, werden wir von Gott nicht verworfen, aufgegeben und abgelehnt. Nein; Christus steht zur Rechten Gottes und leistet Fürsprache für uns. Der geliebte Johannes sagte: [1Jo 2,1 zitiert].“16

Sechs Phasen des christlichen Wachstums

Ellen White betonte, dass Jesus täglich danach suchte, vom Heiligen Geist erfüllt zu werden17, und auch wir jeden Tag vom Heiligen Geist erfüllt und erneuert werden müssen.18 Sie lehnte den Gedanken einer augenblicklichen Heiligung ab und betrachtete Heiligung vielmehr als lebenslangen Prozess.19 Mindestens sechs Phasen des christlichen Wachstumsprozesses beschrieb Ellen White, und sie war der Meinung, dass wir an jeder Stelle dieses Prozesses vollkommen sein können.20

Demnach beginnt die erste Phase, sobald jemand seine Sünde bereut und auf Jesu rettende Verdienste vertraut. Ellen White versichert, dass Christus „für uns starb und uns nun anbietet, unsere Sünden wegzunehmen und uns seine Gerechtigkeit zu geben. Wenn du dich ihm hingibst und ihn als deinen Erlöser annimmst, dann wirst du um seinetwillen gerecht angesehen, egal wie sündig dein Leben war. Christi Charakter steht anstelle deines Charakters und du wirst von Gott so angenommen, als wenn du nie gesündigt hättest.“21 Wenn Christus „sieht, wie Menschen Lasten heben und versuchen diese mit demütigem Geist zu tragen, sich selbst misstrauen und sich auf ihn verlassen, dann fügt er ihrem Werk seine Vollkommenheit und Genüge hinzu und es wird vom Vater angenommen. Wir werden in dem Geliebten angenommen. Die Mängel des Sünders werden durch die Vollkommenheit und Fülle des Herrn unserer Gerechtigkeit zugedeckt.“22 Glaubender Gehorsam gründet sich auf die Annahme Jesu als meinen persönlichen Stellvertreter, die Erfahrung der Rechtfertigung und Vertrauen auf Gott.23

Die zweite Phase ist die einer relativen Vollkommenheit. Unser Bemühen, dem Gesetz zu gehorchen, ist objektiv gesehen immer noch unvollkommen und kann von Gott nur in Verbindung mit Christi zugerechneter Gerechtigkeit angenommen werden.24 Solange unser Körper nicht verwandelt wurde, können wir nicht behaupten, in einem absoluten Sinn vollkommen zu sein. Selbst unser bester Gehorsam ist nur durch Christi Gerechtigkeit annehmbar.25 Nur wenn wir uns an Jesus und seine Gerechtigkeit klammern, werden wir vor Gott als vollkommen angesehen.26

In der dritten Phase des christlichen Wachstums wird unser Umgang mit anderen Menschen durch einen liebenden Gehorsam charakterisiert. Unser Herz und unsere Gedanken sind der Ort, über den Gott mit uns kommuniziert. Die Übergabe unseres Herzens an Jesus ist der größte und wichtigste Kampf, den wir im Glaubensleben kämpfen. Ohne diese Übergabe gibt es keine Veränderung, keinen Gehorsam und kein Wachstum. So schrieb Ellen White: „Das christliche Leben ist ein Kampf und ein Fußmarsch. Aber der zu erringende Sieg wird nicht durch menschliche Kraft errungen. Der Konfliktbereich ist die Domäne des Herzens. Der Kampf, den wir kämpfen müssen – der größte Kampf, der jemals von Menschen ausgefochten wurde – ist die Übergabe des Ichs an den Willen Gottes, das Hingeben des Herzens an die souveräne Macht der Liebe.“27 Heiligung beeinflusst unsere Gedanken, Einstellung, Worte und Taten.28 Wie oben bereits erwähnt, zeigt sie sich primär in Einheit, Demut, Geduld und Liebe.29 Die Gläubigen sind sich dieses Wachstums und dieser Veränderung ihres Charakters selbst aber nicht bewusst.30

Ihre Beschreibung der Trübsalszeit bzw. der „Angst in Jakob“ betrifft die vierte Phase der Vollkommenheit. In dieser Phase wird Ellen Whites Ansicht nach der ausharrende Glaube der Gläubigen geprüft: Vertrauen sie auf sich selbst? Oder vertrauen sie darauf, dass Gott ihnen ihre Sünden vergeben hat, die sie in der Vergangenheit bereut und bekannt haben? Die größte Versuchung besteht in dieser Zeit darin, den Glauben und das Vertrauen auf Gottes Vergebung und Erlösung sinken zu lassen. Alles um sie herum und in ihnen selbst macht ihnen bewusst, wie hilflos sie sind und wie sehr sie Gott brauchen. Dieses Bewusstsein ihrer eigenen Hilflosigkeit treibt sie völlig in seine Arme, was ihm erlaubt, in besonderer Weise in ihrem Leben zu wirken. Sie begehen in dieser Zeit keine offenen, wissentlichen, identifizierbaren Sünden und zeichnen sich durch Treue zu Gott aus.31 Durch alles, was um sie herum passiert, werden sie Satans schrecklichen Charakter und die fürchterlichen Auswirkungen der Sünde in solch einem Maße sehen und erleben, dass auch das letzte Fünkchen Zuneigung für ihn aus ihrem Herzen getilgt wird. So schrieb Ellen White: „Sie [die Zeit der Angst in Jakob] soll Gottes Volk dazu führen, Satan und seinen Versuchungen abzusagen. [...] Der letzte Konflikt wird ihnen Satan in seinem wahren Charakter offenbaren – den eines schrecklichen Tyrannen – und in ihnen das bewirken, was nichts anderes tun könnte, als ihn vollständig aus ihrer Zuneigung zu entwurzeln.“32

Das Kommen Jesu führt die Gläubigen in die fünfte Phase der Vollkommenheit: objektive Sündlosigkeit. Die vervollkommneten Gläubigen erhalten einen unsterblichen Leib, der nicht mehr der sündigen Natur und den Versuchungen Satans unterworfen ist.33

Diese Vollkommenheit mündet in eine sechste Phase, die gekennzeichnet ist von einer ständigen Zunahme der Kenntnis Gottes und der Liebe zu ihm. Die Erlösten werden Christus die ganze Ewigkeit hindurch ähnlicher. „Und die dahingehenden Jahre der Ewigkeit werden ihnen reichere und immer herrlichere Offenbarungen Gottes und Christi bringen. Mit wachsender Erkenntnis wird auch die Liebe, Ehrfurcht und Glückseligkeit zunehmen. Je mehr die Menschen von Gott lernen, desto größer wird ihre Bewunderung seines Wesens sein. Und wenn Jesus ihnen die Reichtümer der Erlösung und die erstaunlichen Großtaten in dem erbitterten Kampf mit Satan erschließt, werden die Herzen der Erlösten immer mehr in Liebe erglühen.“34

Schlussfolgerung

Während das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben ein wichtiger Aspekt für unsere Erlösungsgewissheit ist, bilden die Veränderungen, die wir dadurch erleben, jedoch nicht die Grundlage für unsere Gewissheit. „Es ist für uns geistlich gesehen ein riesiger Unterschied, ob wir, ohne zu zweifeln, auf Gott als ein sicheres Fundament vertrauen oder ob wir versuchen, in uns irgendeine Gerechtigkeit zu finden, bevor wir zu ihm kommen können. Schaut weg von euch selbst hin zum Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinwegnimmt. [...] Manche scheinen den Eindruck zu haben, auf Bewährung zu sein und dem Herrn beweisen zu müssen, dass sie verändert wurden, bevor sie seinen Segen beanspruchen können. Aber sie können den Segen Gottes schon jetzt haben. Sie müssen seine Gnade haben, den Geist Christi, um ihren Schwachheiten zu helfen, oder sie können dem Bösen nicht widerstehen.“35

Ich glaube, dass jeder, der Jesus als seinen Erlöser und Herrn angenommen hat, sich tief im Herzen nach einer engeren und lebendigeren Beziehung zu Jesus sehnt. Wir mögen auf unterschiedliche Weise versuchen, diese Sehnsucht zu stillen. Manche beißen vielleicht die Zähne zusammen und tun all die richtigen Dinge, verspüren aber trotzdem immer noch diese Leere in sich. Andere mögen sich in theologisch anregenden Diskussionen ergehen, aber tief in ihrem Inneren merken sie, dass ihr Glaube reine Theorie ist. Wieder andere mögen die Nähe zu Jesus in Anbetung und christlicher Musik suchen, aber sich dennoch wieder leer fühlen, wenn sie nach Hause gehen. Da wir uns alle irgendwie eine tiefere Beziehung zu Jesus wünschen – lasst uns täglich danach suchen! Wir können jeden Tag zu Jesus kommen, seiner Liebe vertrauen, uns an seinem Wort nähren und uns seiner liebenden Disziplin hingeben. Folgende Gebete können wir immer wieder beten, während wir täglich neu nach einer echten Erfahrung christlicher Erlösungsgewissheit suchen.

Das Gebet des Sünders. „Der umkommende Sünder kann sagen: Ich bin ein verlorener Sünder, aber Christus kam, um das, was verloren war, zu suchen und zu retten. Er sagt: Ich kam nicht, um die Gerechten, sondern die Sünder zur Umkehr zu rufen (Mk 2,17). Ich bin ein Sünder und er starb am Kreuz von Golgatha für mich. Ich muss nicht einen Augenblick länger unerlöst sein. Er starb und stand für meine Rechtfertigung wieder auf, und er wird mich jetzt retten. Ich nehme die Vergebung, die er versprochen hat, an.“36

Das Gebet des Gläubigen. „Herr, nimm mein Herz, denn ich kann es dir nicht geben. Es ist dein Eigentum. Halte es rein, denn ich kann es nicht für dich halten. Rette mich trotz meiner selbst, meines schwachen, unchristlichen Ichs. Forme mich, gestalte mich, erhebe mich in eine reine und heilige Atmosphäre, wo der reiche Strom deiner Liebe durch meine Seele fließen kann.“37

Das tägliche Gebet. „Weihe dich Gott am Morgen. Mache dies zu deiner ersten Aufgabe. Lass dein Gebet sein: ‚Nimm mich, oh Herr, ganz als dein Eigen. Ich lege alle meine Pläne vor deinen Füßen nieder. Gebrauche mich heute in deinem Dienst. Bleibe bei mir und lass mein ganzes Werk in dir gewirkt sein.‘ Das ist eine tägliche Angelegenheit. Jeden Morgen weihe dich Gott neu für diesen Tag. Gib ihm alle deine Pläne, um sie auszuführen oder aufzugeben, so wie es seine Vorsehung andeutet. So kannst du dein Leben jeden Tag in die Hände Gottes legen, und dein Leben wird mehr und mehr nach dem Leben Christi geformt werden.“38

Quellen:
1 Dieser Artikel beruht im Wesentlichen auf Woodrow W. Whidden, The Judgment and Assurance: The Dynamics of Personal Salvation (Hagerstown, MD: Review and Herald, 2012), 153-172; idem, „Perfection“, in Ellen G. White Encyclopedia, hrsg. v. Denis Fortin and Jerry Moon (Hagerstown, MD: Review and Herald, 2013), 1021-1024. 2 Thoughts from the Mount of Blessing, 103, 104; Desire of Ages, 175; Testimonies for the Church, 5:632; Steps to Christ, 26, 27, 68.  Thoughts from the Mount of Blessing, 103, 104. Great Controversy, 256.  Seventh-day Adventist Bible Commentary, 7:931.  Desire of Ages, 175.  Review and Herald, 14.07.1891, 504.  Review and Herald, 01.11.1892, 607.  General Conference Bulletin, 10.04.1901, 183. 10  Selected Messages, 3:150. 11  Manuscript Releases, 10:175. 12  Desire of Ages, 176, 331. 13  Manuscript Releases, 6:32. 14  In Heavenly Places, 22. 15  Desire of Ages, 191; Thoughts from the Mount of Blessing, 41. 16  Steps to Christ, 52. 17  Acts of the Apostles, 56. 18  Steps to Christ, 70. 19  Spirit of Prophecy, 2:244; Acts of the Apostles, 560-562. 20  Christ’s Object Lessons, 65. 21  Steps to Christ, 62. 22  In Heavenly Places, 23. 23 Ms 22, 1889. 24  Signs of the Times, 23.09.1889, 577-578. 25  Selected Messages, 1:344, 382; Ms 9, 1891. 26  Selected Messages, 3:355. 27  Thoughts from the Mount of Blessing, 141. 28 Ms 6, 1874. 29  Sanctified Life, 85; Great Controversy, 470; Acts of the Apostles, 560. 30  Desire of Ages, 668. 31  Great Controversy, 618, 619, 623. 32  Our High Calling, 321. 33  Selected Messages, 3:355, 356. 34 Der große Kampf, 677. 35  Review and Herald, 22.04.1884, 416. 36  Selected Messages, 1:392. 37  Christ’s Object Lessons, 159. 38  Steps to Christ, 70, 71.

Artikel zur Vertiefung

Zur Vertiefung des Themas steht der Artikel „Theology of the Last Generation – History and Evaluation“ von Ángel Manuel Rodríguez hier zur Verfügung; an einer deutschen Übersetzung wird derzeit gearbeitet.

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