Wenn der Dschungel ruft

Mission auf den Philippinen
Wenn der Dschungel ruft

Als Studentenmissionar am anderen Ende der Welt

 

Der Unterricht war für diese Woche geschafft, der Magen mit einem einfachen Reisgericht gefüllt, und ich lag ausgestreckt auf meiner selbstgebauten, doch praktischen Holzbank neben dem Esstisch. Während ich überlegte, wie ich noch die Kraft für die letzten Vorbereitungen am Freitagnachmittag aufbringen sollte, wurde ich immer schläfriger. „Gott, hilf mir! Ich bin so müde …“, dachte ich. Sollte ich Gott wegen so einem Anliegen wirklich um Hilfe bitten? Würde er mir etwa auf übernatürliche Weise Kraft zuströmen lassen? Das wäre ja zu komisch. Als ich noch darüber grübelte, ob ich Gott etwas zutrauen sollte oder nicht, näherte sich draußen Fußgetrampel und steuerte auf meine Hütte zu. „Sir, pa inum!“ (Bitte trinken, mein Herr!) – Während ich die klapprige Tür geöffnet hielt, gaben mir meine drei kleinen Freunde Akang, Bunok und Idui mit einer eindeutigen Handbewegung auf Filipino zu verstehen, dass sie Durst hatten. So tranken wir ein bisschen von meinem gefilterten Wasser und spielten gemeinsam eine Runde Fangen. Als sie schließlich nach Hause zu ihren Eltern gingen, widmete ich mich der restlichen Hausarbeit. Ich merkte, dass ich kaum noch Müdigkeit verspürte. Und da dämmerte es mir: Auf Gott war Verlass!

Ab in den Urwald

Immer wieder erlebte ich diese Geborgenheit in Gott während der zehn Monate als Studentenmissionar in einem Dorf mitten im Urwald. Die Entscheidung für ein solches Vorhaben war mir damals nicht schwergefallen. Nachdem ich mein Abitur in der Tasche hatte, stand fest: Ich möchte ein Abenteuer mit Gott erleben – am liebsten im Dschungel, denn ich hatte schon etliche Missionarsgeschichten gehört. So saß ich Ende Juni 2014 im Flugzeug nach Manila. Von dort ging es mit Auto, Fähre und einem kleinen Boot weiter bis nach Agbalite, einem kleinen Dorf im Norden der philippinischen Insel Mindoros. Weitab von jeglicher Zivilisation lebt dort ein Eingeborenenvolk. Viele der einheimischen Kinder werden an der staatlich anerkannten adventistischen Grundschule „Agbalite Katatubo Excel School Inc.“ unterrichtet. Als Lehrer sollte ich im Auftrag von „Laymen Ministries“ den Schülern zwischen neun und elf Jahren Rechnen, Englisch sprechen und schreiben sowie etwas über die Bibel und philippinische Geschichte beibringen – wobei ich mir das Wissen über Letzteres auch erst vor Ort aneignete.

Die meisten der etwa hundert Einheimischen arbeiten als Bauern und Fischer. Sie haben viele kleine Felder in den Bergen und leben von dem, was sie anpflanzen (meist Reis und Wurzelknollen namens „Cassava“) – und dem, was der Urwald hergibt. Doch leider ist es nicht so idyllisch, wie es klingt: Gemüse und Früchte gibt es selten; oft ernähren sich die Einwohner Agbalites wochenlang nur von Wurzeln. Sauberkeit und ausreichend Trinkwasser ist für die meisten ein Fremdwort, wodurch viele Krankheiten wie Tuberkulose und allerlei Infektionen den Menschen zu schaffen machen.

Das Traurigste ist jedoch ihre Angst vor bösen Geistern, in der sie leben. Der Glaube an Totengeister, die vor allem nachts an jeder Ecke darauf warten, jemanden ins Knie zu beißen und dessen Blut auszusaugen, ist insbesondere unter den Kindern verbreitet. So sprachen meine Schüler oft vom Aswang und was dieser alles anstellt, wenn man sich nicht benimmt. Auch wenn sie sich selbst schon genug fürchten, haben die Eltern die Angewohnheit entwickelt, ihren Kindern mit dem Aswang zu drohen, damit sie gehorchen. Als ich während des Unterrichts sagte, ich würde mich vor dem Aswang nicht fürchten, staunten meine Schüler nicht schlecht. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass wir einen Freund haben, der stärker ist und zu dem wir jederzeit beten können, damit er uns beschützt. In solchen Momenten wurde mir einmal mehr bewusst, was es bedeutet, im Großen Kampf auf Jesu Seite zu stehen. Umso mehr freute es mich, dass meine Schüler durch die Andachten und Gespräche Jesus allmählich als ihren Freund annahmen. Denn als sie mir mal wieder vom Aswang erzählten, fügten sie gleich hinzu: „Dann wollen wir aber beten.“

Mit wenig glücklich

Durch die gemeinsame Zeit im Unterricht, der jeden Tag erst gegen 17 Uhr endete, und die freien Stunden, die ich häufig mit den Schülern verbrachte, entwickelten sich besondere Freundschaften. Es wurde zusammen gesungen und gekocht; wir gingen im Meer schwimmen oder spielten Stein-Spiele in der Betonboden-Ecke meiner Hütte. Die Kleinen zeigten mir, wie sie leben und wo ihre Felder sind, was man im Dschungel essen kann – und was man lieber nicht anfassen sollte (auch wenn es harmlos aussieht). Ich merkte, wie sehr die Kinder sich nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe sehnten. Diese Liebe freudig zu geben und gleichzeitig so viel davon zurückzubekommen, war die wertvollste aller Erfahrungen.

Natürlich werde ich auch die nächtlichen Urwald-Ausflüge nicht so schnell vergessen: Denn nicht nur ein Mal hieß es nachts vier Stunden lang über Berge durch den Dschungel wandern, um im nächstgelegenen Ort den Bus nicht zu verpassen. Auch das Feldpflügen mit dem Wasserbüffel, das Baumfällen mit der Machete und das Reisernten mit der Sichel werde ich wohl noch lange in Erinnerung behalten.

Bei all dem wurde mir bewusst, mit wie wenig Menschen glücklich sein können, und was passiert, wenn Gott Teil unseres Lebens ist. Er sorgte während meiner Zeit in Agbalite immer dafür, dass es mir an nichts fehlte. So hatte ich immer mindestens eine Frucht in meiner Hütte und wurde mit leckeren Kokosnüssen gesegnet.

Info:

www.1year4jesus.de – Werde in verschiedenen Projekten sozial und missionarisch aktiv.
www.live.adra.de – Unterstütze die internationale Hilfsorganisation ADRA Deutschland e. V. bei einem Projekt im In- oder Ausland.
HisHands – Greife deiner Ortsgemeinde in ihrer täglichen Missionsarbeit unter die Arme.
Missionsschule
– Lasse dich an einer Missionsschule ausbilden (z.B. Josia-Missionsschule (D), Plant-Acadamy (A) oder Matteson-School (N)).
www.adventistvolunteers.org – Das Freiwilligenprogramm unserer Freikirche bietet jungen Adventisten auf der ganzen Welt die Chance, ihre Gaben einzubringen.
www.sharehim.org – Unterstütze Geschwister bei diversen Projekten im Ausland dabei, eine Evangelisation durchzuführen.
www.afmonline.org – Erreiche im Rahmen eines Projekts von „Adventist Frontier Missions“ Volksgruppen, die noch nie von Jesus gehört haben.
www.lmn.org/missions – Unterstütze die Organisation „Laymen Ministries“ bei einem ihrer Projekte im Ausland (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).
Waldensian Students – „Waldensische Studenten“ erreichen Menschen in Ländern, in denen klassische Missionsarbeit schwierig ist (www.goo.gl/tG2mEo; Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

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