Der rettende Brief

Gemeinde
Der rettende Brief

Wenn Jesus seiner Gemeinde schreibt

Wenn unsere Kirche in einer Krise stecken würde, wie könnten wir sie erkennen? Und welchen Weg gäbe es heraus? Jesus um Leitung zu bitten, ist sicher kein schlechter Ansatz. Wir sind ja schließlich seine Gemeinde. Aber kann es sein, dass Jesus schon längst Bescheid weiß und uns deshalb einen Brief schrieb, in dem er gewisse Probleme samt ihren Ursachen anspricht und uns eine Lösung aufzeigt? Wenn es so wäre, hätten wir ihn doch sicher schon längst genau studiert und das Gelesene angewandt – oder?! Ehrlich gesagt, bin ich mir da nicht so sicher. Denn schon in ihren Frühen Schriften (S. 257) schrieb Ellen White: „Ich sah, dass das Zeugnis des treuen Zeugen nicht halb beachtet worden ist. Das ernste Zeugnis, von dem das Schicksal der Gemeinde abhängt, ist nur oberflächlich geschätzt, wenn nicht gänzlich missachtet worden.“ Sie spricht dabei über den Brief Jesu an die Gemeinde Laodizea in Offenbarung 3,14-22. Wenn er so wichtig für uns ist, wäre dann heute nicht wirklich höchste Zeit, ihn gründlich zu studieren?

Vor die Entscheidung gestellt


Vielleicht fragt sich der eine oder andere nun, wieso von diesem besagten Brief „das Schicksal der Gemeinde“ abhängt. Die Antwort scheint offensichtlich: Weil Jesus darin seine Gemeinde der Endzeit vor eine Entscheidung stellt. Entweder sie bleibt so, wie sie ist, und wird verworfen. Oder sie nimmt Gottes rettendes Angebot an und wird schließlich mit ihm auf seinem Thron regieren. Zwischen diesen beiden Brennpunkten entfaltet sich die ganze Spannung des Briefes.

Die „Diagnose“ unseres Herrn in Offenbarung 3,15-17 (ELB) erscheint dabei ernüchternd: „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, dass du der Elende, bemitleidenswert und arm und blind und bloß bist [...]“1 Jesus, „der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge“ (V. 14), zeigt uns hier auf, dass wir geistlich „lau“ unterwegs sind. Wie ist das möglich? Da Lauheit sowohl Eigenschaften von Wärme als auch von Kälte hat – aber weder das eine noch das andere ist – beschreibt die Bezeichnung aus meiner Sicht eine „Sowohl-als-auch“ oder „Weder-noch“-Haltung. Laodizea hat offensichtlich ein Identitätsproblem! Lauheit entsteht nämlich durch Mischung von Heißem und Kaltem oder durch Anpassung an die Temperatur der Umwelt. Kann es also sein, dass wir es bei geistlicher Lauheit mit einer Vermischung von gegensätzlichen Elementen zu tun haben? Und dass dabei womöglich Anpassung an die Umgebung mit ihrem Zeitgeist eine Rolle spielt?

Heiß und kalt neutralisieren sich gegenseitig und werden in Offenbarung 3 zu einer ekelerregenden Angelegenheit, die Jesus „aus seinem Munde ausspeien“ (V. 16) muss. Offensichtlich untersucht, prüft Jesus seine Gemeinde und teilt ihr mit, dass er sie „ausspeien“ muss, wenn sie so bleibt – es sei denn, sie nimmt seinen Rat an, kehrt um und lässt sich von ihm und seinem Geist „erhitzen“.

Was aber ist die Ursache für das Problem? Jesus nennt tatsächlich gleich mehrere Gründe: Zum einen hält sich Laodizea zwar für reich, ist aber bettelarm ... Die Gemeinde ist der Ansicht, nichts nötig zu haben, befindet sich jedoch anscheinend in einem erbärmlichen Zustand! „Eine solche Selbstzufriedenheit ist verhängnisvoll, weil der Geist Gottes dort keinen Eingang findet, wo man die Notwendigkeit seiner Gegenwart nicht spürt. Aber ohne seine Gegenwart ist eine Erneuerung des Lebens unmöglich [...] Wer nicht weiß und nicht weiß, dass er nicht weiß, befindet sich in einer nahezu hoffnungslosen Lage.“2 Als Ursprung für eine derartige Selbsttäuschung nennt Jesus Stolz und Selbstgefälligkeit, wenn er sagt: „Du sprichst: ich bin reich, ja reich bin ich geworden.“ Wer vom eigenen Stolz geblendet ist, kann die Wirklichkeit nicht mehr richtig wahrnehmen ...

Ein dreifacher Mangel


Doch Jesus öffnet uns im weiteren Verlauf des Kapitels mit seiner Botschaft die Augen über unseren wahren Zustand (Offb 3,17 LUT17): „dass du elend und jämmerlich, arm, blind und nackt bist.“ An der Stelle nennt unser Schöpfer gleich drei Mängel. In erster Linie sind die reichen Laodizäer arm an dem, was in Jesu Augen Reichtum bedeutet – also an Glauben und Liebe. Das unterstreicht auch Jakobus, wenn er schreibt: „Hat nicht Gott die Armen dieser Welt erwählt, die im Glauben reich sind und Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?“ (Jak. 2,5)

Ein weiteres Merkmal der Gemeinde Laodizea ist ihre Blindheit. In Johannes 16,8 lesen wir darüber, dass der Heilige Geist „der Welt die Augen auftut über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht.“ Die Blindheit der Laodizäer lässt auf einen Mangel des Heiligen Geistes schließen – ähnlich wie es bei den törichten Jungfrauen in Jesu Gleichnis für die Endzeitgemeinde der Fall war (s. Mt 25,1-13). Was diesen Jungfrauen fehlte, war eine rettende Beziehung zu Jesus, denn der Bräutigam sagt ihnen am Ende: „Ich kenne euch nicht.“

Und schließlich benennt Jesus einen dritten Mangel, nämlich dass Laodizea „bloß“ bzw. „nackt“ sei. Es fehlt ihr, wie jenem Gast auf der königlichen Hochzeit von Jesu Gleichnis in Matthäus 22,1-14, die Hochzeitskleidung – oder mit anderen Worten die Gerechtigkeit Jesu –, die zuvor allen Gästen angeboten wurde.

Die Ursache für unser Problem als Gemeinde ist also in Jesu Augen ein dreifacher Mangel an: in Liebe ausgelebtem Glauben, Heiligem Geist und Christi Gerechtigkeit. Dabei hängen diese drei Komponenten eng zusammen – das wird in der Bibel immer wieder deutlich! Und in Offenbarung 3,20 wird Jesus ganz klar, wenn er sagt: „Siehe,f ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Wird uns da nicht ganz anders, wenn wir lesen, dass der Herr, unser Erlöser, draußen vor unserer Tür steht?! Er klopft und ruft, wendet alle Mittel an, um seine Gemeinde durch eine rettende Botschaft wachzurütteln.

Wie ein Händler im alten Laodizea breitet er seine Angebote aus, um jeden Mangel auszugleichen, und ruft: „Kaufe von mir!“ Er bietet uns ein umfassendes Rettungspaket an, das ganz sicher greift: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geglüht ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehest.“ (Offb 3,18, SCHL) Jesus drängt sich nicht auf, er bietet nur an. Sein Ruf zu „kaufen“ ist eine Einladung zu ganzer Hingabe an ihn. Erst dann sind wir in der Lage, seine Gaben anzunehmen: 1. einen durch Liebe in Leid und Anfechtung bewährten Glauben, der sich in vertrauensvollem Gehorsam als echt erweist, 2. das auf dem himmlischen Webstuhl gewebte Gewand der Gerechtigkeit Christi, seines vollkommenen Charakters3, und 3. die „Salbung“ mit der Fülle des Heiligen Geistes4 im endzeitlichen Früh- und Spätregen.

Eine Botschaft der Liebe


Die Verse 19 und 20 (NLB) bilden den Höhepunkt des Briefes: „Wen ich liebe, den weise ich zurecht und erziehe ihn streng. Bleibe nicht gleichgültig, sondern kehre um! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand mich rufen hört und die Tür öffnet, werde ich eintreten, und wir werden miteinander essen.“ Die Botschaft Jesu an Laodizea ist eine Botschaft der Liebe! Dieser Gemeinde, für die Jesus kein Lob übrig hat, erklärt er ausdrücklich seine Liebe! Aus Liebe weist er zurecht, erzieht er und ruft zur Umkehr. Im gesamten Brief geht es um die Beziehung Laodizeas zu ihm. Der Zustand seiner Brautgemeinde tut Jesus weh. Er leidet darunter ... Beharrlich klopft und ruft er und nutzt alle Möglichkeiten, sie auf ihre gefährliche Lage aufmerksam zu machen, um sie zu retten. Aber er liebt sie so sehr, dass er ihre Entscheidung respektiert – auch wenn er, wie einst über Jerusalem, darüber weinen muss. Er wendet sich dabei an jeden Einzelnen: „wenn jemand hört“, „wer überwindet“ … Und schließlich entscheidet jeder für sich; jeder kann nur persönlich auf Jesu Werben antworten, ihn zum Mittelpunkt seines Lebens machen.

Dabei sollten wir nicht vergessen: Jesus „steht schon vor der Tür“ und will bald kommen. Er will sein Volk durch seinen Brief beschenken, aus der Krise herausführen, es für die Erfüllung seines Auftrages ausrüsten und für sein Kommen vorbereiten. Das wurde uns schon längst durch Gottes Botin mitgeteilt: „Sie [die Botschaft an Laodizea] ist dazu bestimmt, das Volk Gottes aufzurütteln, ihm seinen Rückfall zu offenbaren, es zu eifriger Reue zu führen, damit sie mit der Gegenwart Jesu gesegnet würden und vorbereitet seien für den lauten Ruf des dritten Engels. [...] Jene, die jeden Punkt der Prüfung erreichen und jede Versuchung siegreich durchstehen, und, wie hoch der Preis auch sei, überwinden, haben den Rat des Treuen Zeugen beachtet. Sie werden den Spätregen empfangen und für die Verwandlung vorbereitet sein.“5Wenn uns das erwartet, dann ist es höchste Zeit für uns, die Botschaft Jesu an Laodizea ernsthaft unter Gebet zu studieren – und ihre Wirkung zu erleben!

Quellen:
1 Im Grundtext ist V. 17+18 ein Satz
2 Adventist Bible Commentary, 1957, Bd. VII, S. 762.
3 E.G. White, Bilder vom Reiche Gottes, S. 256.
4 Apg 10,38; Lk 3,21.22; Joh 14,17.26; 16,13; Joel 2+3
5 E.G. White, Testimonies, Bd. 2, S. 186.187; siehe dazu auch: Schatzkammer der Zeugnisse I, S. 53ff oder Frühe Schriften, S. 256ff.

Medientipp:
Vorträge vom J.O.S.U.A.-Camp Meeting 2018 zum Thema „Wenn jemand meine Stimme hört ...“ unter www.josuacamp.de

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