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Wenn Bäume vom Charakter Gottes erzählen

Alarm im Wood Wide Web! Fressfeinde machen sich an Blättern und Trieben des Baumes zu schaffen. Elektrische Warnsignale werden ausgeschickt. In Baumgeschwindigkeit kommen sie etwa einen Zentimeter pro Sekunde voran. Über feine Baumwurzelsysteme, die vielfach auch durch Pilzmyzele miteinander verbunden sind, erreichen diese Signale bald Artgenossen in der Umgebung. Diese fangen nun an, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Auch dann, wenn die Fressfeinde noch gar nicht bei ihnen angekommen sind.

Von Afrika ist schon seit über vier Jahrzehnten bekannt, dass Giraffen nur wenige Minuten an Schirmakazien knabbern und dann weiterziehen, weil diese als Gegenmaßnahme sofort beginnen, Giftstoffe einzulagern. Die Giraffen gehen dann aber nicht zu den nächsten Savannenbäumen, sondern etwa hundert Meter weiter. Der Grund: Die angeknabberte Akazie verströmt ein Warngas (Ethylen), welches ihren Artgenossen in der Umgebung signalisiert, dass Unheil naht. Diese beginnen dann ebenfalls Giftstoffe in ihren Trieben einzulagern. Und diese Giftstoffe schmecken keiner Giraffe.

Wenigen Menschen ist bewusst, dass ganz ähnliche Dynamiken direkt vor unserer Haustür, in den heimischen Wäldern, stattfinden. Neben den elektrischen Warnsignalen geben die Bäume – genau wie in Afrika – speziell für einen Zweck zugeschnittene Duftstoffe ab. Allerdings werden die Duftstoffe durch den Wind schnell verweht und reichen nicht allzu weit – maximal etwa hundert Meter. Spannend ist dabei, dass die Bäume den Speichel der Fressfeinde erkennen und zuordnen können. Dementsprechend sind die Duftstoffe abgestimmt. So sind die Bäume unter anderem in der Lage, durch die abgesonderten Duftstoffe die Fressfeinde der Fressfeinde anzulocken.

Der Baum des Lebens

Der Fingerabdruck Gottes lässt sich nicht nur am Menschen erkennen. Der Wald, sowie die gesamte Natur, stecken voller Wunder. Und wenn wir uns in der Ruhe des majestätischen Waldes auf unseren Schöpfer besinnen, können wir einiges von ihm lernen. Nicht umsonst wird wohl von Salomo als dem weisesten aller Menschen geschrieben: „Er dichtete von den Bäumen, von der Zeder auf dem Libanon, bis zum Ysop, der aus der Wand wächst.“ (1. Kön. 5,13) Wenn schon hier auf der Erde die Bäume der gleichen Art über ihre Wurzelwerke und mit anderen Arten u.a. durch Pilzmyzele verbunden sind, wenn es auch auf unserer sündigen Erde Kommunikation zwischen den Bäumen gibt – scheint es dann so unwahrscheinlich, dass es so etwas auch schon im Garten Eden gegeben hat? Mose schrieb im Auftrag Gottes: „Und Gott der Herr ließ aufwachsen allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (1. Mose 2,9).“ Es ist nur eine reine Schlussfolgerung, doch es scheint in meinen Augen naheliegend, dass bereits im Garten Eden die Bäume durch ihre Wurzelsysteme miteinander verbunden waren. Vermutlich nicht einmal nach Arten getrennt. Und der Baum des Lebens mittendrin! Ob er damals in Eden möglicherweise nicht nur Lebensspender für die Menschen, sondern für das gesamte Netzwerk des Gartens gewesen ist? Eine Art Leitzentrale, eingesetzt von Gott?

In Verbindung mit der Neuen Erde berichtet Johannes etwas recht Kurioses über den Baum des Lebens: „Und er [ein Engel] zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker (Offb. 22,1-2).“ Wie in Eden wird es auch auf der Neuen Erde diese von Gott geschaffene „Lebenstankstelle“ geben. Diesmal gleich mehrfach und auf beiden Seiten des Flusses. Mich würde es nicht wundern, wenn die Bäume des Lebens unter dem Fluss hinweg durch ihre Wurzelwerke fest miteinander verbunden sind und im regen Austausch miteinander stehen. Schließlich heißt es in einer Vision von Ellen White1: „Hier sahen wir den Baum des Lebens und den Thron Gottes. Vom Thron ging ein klarer Wasserstrom aus, und auf beiden Seiten des Stromes stand der Baum des Lebens. An jeder Seite des Stromes war ein Stamm des Baumes, beide von reinem, durchscheinendem Gold. Zuerst dachte ich, ich sähe zwei Bäume, ich schaute dann nochmals hin und sah, dass sie an der Spitze in einen Baum vereinigt waren. So steht der Baum des Lebens an jeder Seite des Lebensstromes. Seine Zweige neigten sich nach der Stelle, wo wir standen; die Früchte waren herrlich, sie sahen aus wie Gold, gemischt mit Silber.“

Füreinander da sein

Mit diesen Gedanken im Kopf kann ein einfacher Spaziergang im Wald schon ein Vorgeschmack auf das kommende Paradies sein. Beeindruckend, wie Bäume spannende Geschichten vom Charakter und von der Schöpfermacht Gottes berichten. Nicht umsonst wird im ältesten Buch der Bibel Gott dem geplagten Hiob die gewaltige Schöpfung vor Augen gemalt haben (Hiob 38-41).

Das Buch „Das geheime Leben der Bäume“2 von Peter Wohlleben, aus dem ich hauptsächlich die Gedanken über die erstaunlichen Abläufe im Wald entnommen habe, berichtet von noch vielen weiteren Wundern, die den Leser staunen lassen. So beschreibt der Autor, wie er im Wald auf „eigenartige bemooste Steine“ stieß. Die Form war merkwürdig, leicht gebogen mit Hohlräumen. Als er das Moos etwas abhob, kam darunter Baumrinde zum Vorschein. Es waren keine Steine, sondern altes Holz. Doch es war nicht etwa verfault, sondern hart, wie normales Buchenholz eben sein sollte – und quicklebendig. Es handelte sich um die Überreste eines Baumes, der schon vor gut 400 bis 500 Jahren gefällt worden war. Wie er überlebt hat? Nun, über das Wurzelwerk wurden seine Überreste von den ringsherum wachsenden Artgenossen mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Ein schönes Bild, wie das Miteinander in der Gemeinde aussehen kann. Paulus beschreibt es in 1. Korinther 12,14-27: Wir brauchen uns mit unseren Gaben und Fähigkeiten, um uns zu gegenseitig zu stärken und gemeinsam als Gemeinde voranzugehen. Einer alleine ist verletzlich und läuft Gefahr, „zu verdorren“. Aber füreinander da zu sein, bedeutet Stärke.

Quellen:

1 Ellen G. White Estate, Inc. (Hg.), Frühe Schriften von Ellen White, Top Life Center - Wegweiser Verlag, 2008, S. 15 2 Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt., Ludwig-Verlag, München 2015. Empfohlen wurde das Buch u.a. von Forest Finest – das Magazin für weltweite Waldwirtschaft; 2-2015, S. 26 u. Bild der Wissenschaft, Ausgabe 1/2016

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